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Medizin

Dioxine: Leicht erhöhtes Krebsrisiko in Seveso

Mittwoch, 16. September 2009

Mailand – Die Nachwirkungen des Sevesounglücks halten an. Doch die Zahl zusätzlicher Krebserkrankungen ist nach einer Studie in Environmental Health (im Druck) bisher geringer geblieben als befürchtet. In den ersten 22 Jahren war “nur” das Risiko von Lymphomen und Leukämien erhöht. In den letzten Jahren deutete sich außerdem ein Anstieg des Brustkrebsrisikos an.

Am 10. Juli 1976 wurden in der Nähe von Seveso, knapp 20 Kilometer nördlich von Mailand, nach einem Unfall in einer Chemiefabrik ein bis drei Kilogramm 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (“Dioxin”) in die Luft freigesetzt. Akut erkrankten etwa 200 Anwohner an einer Chlorakne. Die bekannte Kanzerogenität von TCDD ließ befürchten, dass es in den Folgejahren auch zu einem Anstieg der Krebserkrankungen kommen würde. Bereits 1998 konnte der Arbeitsmediziner Pier Bertazzi von der Universität Mailand eine erhöhte Zahl von Todesfällen durch Lymphome und Leukämien für den Zeitraum bis 1991 feststellen. Die Zahl war jedoch sehr gering.

Jetzt legt die Gruppe Ergebnisse zur Inzidenz von Krebserkrankungen für einen erweiterten Zeitraum bis 1996 vor. Dazu wurden die Krankenakten von insgesamt 36.589 Bewohnern ausgewertet, die zum Zeitpunkt des Unglücks dort wohnten oder in den folgenden zehn Jahren durch Zuwanderung oder Geburt hinzukamen. Wiederum fiel der Nachweis eines erhöhten Krebsrisikos nicht einfach, da es insgesamt nur zu 2122 Krebserkrankungen gekommen war, davon 1808 in der wenig exponierten Zone R, in der das Krebsrisiko nicht erhöht zu sein scheint (auch wenn die Exposition deutlich erhöht war). In der Zone B (mit weniger als 6000 Exponierten) kam es zu 270 Krebserkrankungen. Die Inzidenz lag nicht höher als in anderen Regionen mit der Ausnahme von 29 Lymphomen oder Leukämien, die damit rechnerisch 56 Prozent häufiger waren als vom Alter und der Zusammensetzung der Bevölkerung her zu erwarten gewesen wäre (relatives Risiko 1,56; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,07-2,27). Ein zweites Signal für ein erhöhtes Krebsrisiko zeigte sich in der Auswertung der Brustkrebserkrankungen, die 15 Jahre oder später nach dem Unglück diagnostiziert wurden: fünf Brustkrebserkrankungen ergeben ein relatives Risiko von 2,57 (1,07-6,20). Ob sich hier ein erhöhtes Spätrisiko abzeichnet, bleibt abzuwarten.

Insgesamt ist die Zahl der Krebserkrankungen unter den Befürchtungen (Hochrechnungen aus tierexperimentellen Studien) geblieben, schreiben die Autoren. Auch von den Patienten mit Chlorakne ist bisher niemand an Krebs erkrankt. Dies könnte allerdings daran gelegen haben, dass vor allem Kinder erkrankt waren, die das Alter, in dem es im Erwachsenenalter zu Krebserkrankungen kommt, noch nicht erreicht haben.

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© rme/aerzteblatt.de

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