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Politik

Schmidt kritisiert Preispolitik der Pharmaindustrie

Freitag, 18. September 2009

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) hat die Preisbildung bei Arzneimitteln kritisiert. „Es muss Schluss sein mit der teilweise verantwortungslosen Preispolitik mancher Hersteller, die zulasten der Beitragszahler geht“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ vom Freitag. So stiegen die Ausgaben für Spezialarzneimittel gegen Krebs oder Rheuma immer weiter. Hier müssten die Hersteller Verantwortung zeigen. „Ich will, dass die Patientinnen und Patienten genau die Arzneimittel bekommen, die nachweislich den besten Nutzen für sie haben – und das zum bestmöglichen Preis“, sagte Schmidt.

Anlass für die Kritik ist der am Donnerstag vorgestellte Arzneiverordnungs-Report. Demnach sind trotz aller Sparmaßnamen die Ausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung für Medikamente im Jahr 2008 um rund fünf Prozent gestiegen. Wesentlichen Anteil daran haben patentgeschützte Arzneimittel und Analogpräparate.
 

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Ulrich Schwabe vom Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg und Mitherausgeber des Reports bezifferte das Einsparpotenzial allein bei den Analogpräparaten ohne zusätzlichen therapeutischen Nutzen auf 1,7 Milliarden Euro. Als Beispiel für solche Produkte nannte Schwabe ein Kombinationspräparat zur Cholesterinsenkung, das dreizehn Mal so teuer sei wie Simvastatin. 

Der Chef des AOK-Bundesverbands, Herbert Reichelt, kritisierte, Deutschlands Ärzte verordneten zu viele teure und überflüssige Medikamente. Das Geld solle lieber für „wirklich neue und bessere Medikamente“ ausgegeben werden, sagte Reichelt der „Bild“-Zeitung.

Die Linke kritisierte, die patentgeschützten Arzneimittel seien zu teuer. Ihr Gesundheitsexperte Frank Spieth forderte zudem eine Absenkung der Mehrwertsteuer für  Medikamente.

Auch der Marburger Bund sprach sich dafür aus, auf Medikamente nur noch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zu erheben. Damit könnten „die Krankenkassen und damit die Bürger auf einen Schlag um 2,5 Milliarden Euro entlastet“ werden, erklärte der Vorsitzende des Verbands, Rudolf Henke.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wehrte sich unterdessen gegen die Behauptung der Herausgeber des Reports, Apotheker würden unverhältnismäßig viel an Generika-Präparaten verdienen. „Professor Schwabe nennt frei erfundene Apothekenhonorare, ohne aber die gesetzlichen Zwangsrabatte an die Kassen in Abzug zu bringen“, kritisiert Fritz Becker, Vorsitzender des Deutsche Apothekerverbands. „Das ist ebenso peinlich wie unseriös.“

Schwabe hatte bei der Vorstellung des Reports betont, dass die Preise für Generika zwar um vier Prozent gesunken seien, die Packungsprämien der Apotheker aber fast doppelt so hoch seien, wie der Herstellergewinn. „Ein Preisvergleich mit Großbritannien hat gezeigt, dass bei uns die Generikakosten mit den englischen Preisen um 3,4 Milliarden Euro gesenkt werden können.“

© afp/mei/aerzteblatt.de

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