Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Gelähmter Australier stirbt nach Grundsatzurteil zu Sterbehilfe

Montag, 21. September 2009

Perth – Nachdem er vor Gericht ein Grundsatzurteil zur Sterbehilfe erkämpft hatte, ist ein gelähmter Mann in Australien gestorben. Der 49-jährige Christian Rossiter starb nach Angaben seiner Familie am Montag in einem Pflegeheim in Perth. Ein Gericht hatte im August entschieden, dass sich die Pfleger nicht strafbar machten, wenn sie die künstliche Ernährung des vom Kopf abwärts Gelähmten auf seinen Wunsch hin beendeten.

Rossiter starb nach Angaben seines Bruders an einer Atemwegsinfektion. Vor fünf Wochen hatte er vor dem Obersten Gericht von Western Australia das Recht erkämpft, seine künstliche Ernährung und medikamentöse Behandlung einstellen zu lassen. Rossiter habe damit ein wichtiges Erbe hinterlassen, sagte sein Anwalt John Hammond: Er habe das Recht von Patienten erstritten, Nahrung und Medikamente zu verweigern, „wenn sie das für richtig erachten“.

Der Oberste Richter hatte in dem Verfahren vor fünf Wochen geurteilt, Rossiter dürfe selbst über seine Behandlung entscheiden. Seine Pfleger machten sich nicht strafbar, wenn sie den Wünschen ihres Patienten Folge leisteten, betonte Richter Wayne Martin. Rossiter hatte das Pflegeheim zuvor bereits 40 Mal aufgefordert, seine künstliche Ernährung zu stoppen.

Sein Leben sei eine einzige Hölle und er fühle sich „wie ein Gefangener im eigenen Körper“: „Ich kann mich nicht bewegen, ich habe keine Angst vor dem Tod – nur Schmerzen.“ Der ehemalige Börsenhändler und Outdoor-Abenteurer war nach zwei Unfällen vom Kopf abwärts gelähmt.

Gegner der Sterbehilfe kritisierten, Rossiter hätte psychologische Hilfe bekommen müssen: „Anscheinend war er in einem depressiven Zustand. Das hätte man behandeln müssen“, sagte Veronica Andrew von der Organisation Right to Life Australia. Es sei deprimierend, wenn Gerichte die Botschaft aussendeten, „dass ein Leben nicht lebenswert ist“.

Sterbehilfe-Befürworter Philip Nitschke betonte, Rossiter sei wegen seines schlechten Allgemeinzustands gestorben und nicht verhungert. Er sei einer Infektion erlegen, weil er die Einnahme von Antibiotika verweigert habe.

In Australien gibt es bislang keine Gesetze zur aktiven Sterbehilfe. Der Bundesstaat Northern Territory hatte 1995 das weltweit erste derartige Gesetz erlassen, es wurde jedoch zwei Jahre später von der australischen Bundesregierung zu Fall gebracht. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.05.17
Staatliche Suizidbeihilfe: BfArM und BMG prüfen Urteilsbegründung des Bundesverwaltungs­gerichts
Leipzig – Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Anfang März entschieden (Az.: BVerwG 3 C 19.15), dass der Staat Patienten in extremen Ausnahmefällen den Zugang zu einem tödlichen Medikament......
15.05.17
Berlin – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird sich bald mit Anträgen sterbewilliger Patienten befassen müssen, die von der Behörde die Abgabe tödlicher Medikamente......
03.05.17
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, hat mehr Kreativität gefordert, um Lücken bei der medizinischen Versorgung auf dem Land zu schließen. „Wir brauchen......
13.04.17
Den Haag – Mehr als 6.000 Menschen sind in den Niederlanden 2016 durch aktive Sterbehilfe gestorben. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Jahresbericht der zuständigen......
12.04.17
London – Ein Gericht in Großbritannien hat gegen den Willen der Eltern einen Behandlungsstopp für ein todkrankes Baby angeordnet. Das Gericht folgte damit gestern einem Antrag der Ärzte des......
07.04.17
Berlin – Einen Monat nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Suizidbeihilfe wartet einem Medienbericht zufolge bereits ein Dutzend Schwerkranker auf Abgabe eines tödlichen Medikaments durch......
31.03.17
London – Englands High Court hat gestern das Gesuch eines todkranken Briten abgelehnt, der vor dem Hohen Gericht in London eine Gesetzesänderung bei der Sterbehilfe erstreiten wollte. Das Parlament......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige