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Medizin

Angeborene Herzfehler durch Antidepressiva

Freitag, 25. September 2009

Aarhus – Die Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in der Schwangerschaft geht nach den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b3569) mit einem leicht erhöhten Risiko von Septumdefekten bei den Neugeborenen einher. Bei der Verordnung mehrerer SSRI steigt das Risiko deutlich an.

Im Dezember 2005 hatte die FDA eine Warnung zu dem SSRI Paroxetin herausgegeben, dessen Einnahme in zwei retrospektiven Studien im Vergleich zu anderen Antidepressiva mit einem erhöhten Risiko von kardiovaskulären Fehlbildungen assoziiert war.

Es wurde jedoch keine Kontraindikation ausgesprochen, da die Nachteile, die sich durch eine Exazerbation der Depression beim Absetzen ergeben, unter Umständen größere Nachteile haben könnte als ein gewisses teratogenes Risiko, lautete das Urteil der Behörde. Die FDA riet dazu, Vor- und Nachteile im Einzelfall sorgfältig abzuwägen. Viele Ärzte dürften, sofern eine Therapie während der Schwangerschaft notwendig ist, auf einen anderen Wirkstoff wechseln.

Die jetzt von Lars Henning Pedersen von der Universität Aarhus in Dänemark vorgestellten Ergebnisse kommen zu einem etwas anderen Bild. Der Epidemiologe hat die Einlösung von SSRI-Rezepten bei fast einer halben Million Schwangeren mit den angeborenen Fehlbildungen ihrer später geborenen Kinder in Beziehung gesetzt.

Die gute Nachricht ist, dass das Risiko von schweren Fehlbildungen nicht erhöht war. Auch schwere Herzfehler treten nicht häufiger auf. Das Risiko von (ventrikulären) Septumdefekten im Herzen war jedoch erhöht, wenn die Frauen in der Frühschwangerschaft mit einem SSRI behandelt wurden (Odds Ratio 1,99; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13-3,53).

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Dieses Risiko war nun keinesfalls auf den Wirkstoff Paroxetin beschränkt. Im Gegenteil: Für diesen Wirkstoff wurde sogar eine Odds Ratio von unter 1 ermittelt, was gegen ein erhöhtes Risiko spricht – aber, weil das Signifikanzniveau verfehlt wurde, auch keine Schutzwirkung bedeutet.

Auch für Fluoxetin wurde in der aktuellen Studie kein erhöhtes Risiko gefunden, wohl aber für Sertralin (Odds Ratio 3,25) und für Citalopram (Odds Ratio 2,52). Die insgesamt geringe Zahl von Fehlbildungen bei exponierten Kindern (12 bei Verordnung eines einzelnen SSRI) lässt eine differenzierte Beurteilung der einzelnen SSRI in der aktuellen Studie fraglich erscheinen.

Insgesamt kamen 0,9 Prozent der exponierten Kinder mit einem Septumdefekt zur Welt, bei den nicht exponierten Kindern betrug die Rate 0,5 Prozent. Das ergibt eine Number Needed to Harm von 246 Kindern. Das ist die Zahl der exponierten Kinder auf die ein zusätzlicher Septumdefekt kommt. © rme/aerzteblatt.de

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