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Medizin

Koloskopie: Mit dem Alter steigt das Perforationsrisiko

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Bangkok – Perforationen der Darmwand sind eine seltene, aber lebensgefährliche Komplikation der Darmspiegelung. Das Risiko steigt einer Studie in BMC Gastroenterology (2009; 9: 71) zufolge bei älteren Patienten und bei therapeutischen Endoskopien an.

Das Siriraj Hospital in Bangkok dürfte auch im internationalen Vergleich eine der größten Endoskopie-Zentren sein. Zwischen Januar 2005 und Juli 2008 wurden in der Klinik 8.987 Koloskopien und 1.137 flexible Sigmoidoskopien durchgeführt. In 15 Fällen kam es zu einer Darmperforation, die eine sofortige Operation erforderlich machte. Durch sie konnten 13 der 15 Patienten gerettet werden.

Dennoch bedeutet die Inzidenz von 1,6/1000 Koloskopien und 0,9/1000 Sigmoidoskopien eine Verschlechterung für die Klinik. In einer früheren Serie waren zwei bis dreifach weniger Perforationen aufgetreten, was Varut Lohsiriwat vor allem auf die Ausweitung der Indikationen und auf die Tatsache zurückführen, dass Koloskopien immer häufiger auch von Ärzten in der Ausbildung durchgeführt werden.

Doch der wichtigste Risikofaktor war nicht die Unerfahrenheit des Arztes – Patienten von Trainees waren in der Studie nicht signifikant zu 63 Prozent häufiger betroffen –, sondern das Alter des Patienten. Bei über-75-Jährigen kam es mehr als sechsfach häufiger zu einer Darmperforation (adjustierte Odds Ratio 6,24; 2,3-17,3).
 

Vorsicht geboten ist außerdem beim Abtragen größerer Polypen. Nach therapeutischen Endoskopien kam es fast dreifach häufiger zu einer Darmperforation (Odds Ratio 2,98; 1,08-8,2). Auch eine Sedation des Patienten könnte das Risiko erhöhen, da es dem Arzt nicht mehr möglichst ist, auf Schmerzreize des Patienten zu reagieren, vermutet Lohsiriwat: Das um 61 Prozent erhöhte Risiko einer Darmperforation verfehlte jedoch das Signifikanzniveau.

Dies traf, vielleicht wegen der doch geringen Zahl der Komplikationen, auch auf den Vergleich von Koloskopie und Sigmoidoskopie zu. Perforationen traten unter der Koloskopie zu 77 Prozent häufiger auf, doch die Perforationen waren eher im Sigmoid lokalisiert.

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© rme/aerzteblatt.de

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