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Medizin

Depression als Adipositas-Risiko

Freitag, 9. Oktober 2009

London – Depressionen oder auch Angsterkrankungen können Gewichtsprobleme verschärfen. In einer prospektiven Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt BMJ (2009; 339: b3765) waren mentale Störungen im jüngeren Erwerbsalter ein signifikanter Prädiktor für eine spätere Adipositas.

Viele Menschen mit mentalen Problemen sind adipös. Es war aber bisher nicht klar, ob die Gewichtsprobleme den mentalen Erkrankungen vorausgehen oder ob letztere mögliche Auslöser für die Gewichtszunahme sind.

Um diese Frage zu klären, hat Mika Kivimäki vom University College London die Daten der Whithall-II-Studie ausgewertet. An dieser Langzeitstudie zum Einfluss des Lebensstils auf chronische Erkrankungen beteiligen sich seit 1985 mehr als 10.000 Angestellte aus Ämtern des britischen Regierungsviertels. Seit 19 Jahren füllen sie regelmäßig Fragebögen aus.

An vier Zeitpunkten war darunter auch ein General Health Questionnaire, der Symptome mentaler Erkrankungen erfragt. Kivimäki hat die Antworten ausgewertet und festgestellt, dass die mentalen Erkrankungen den Gewichtsproblemen häufig vorausgingen.

Die Assoziation war “dosisabhängig”: Wer in einem einzelnen Fragebogen Antworten ankreuzte, die auf mentale Störungen schließen lassen, hatte ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko bei der letzten Untersuchung adipös zu sein. Hatten er oder sie an zwei Zeitpunkten mentale Störungen, stieg das Adipositas-Risiko um 64 Prozent, war bei allen drei Voruntersuchungen ein Signal vorhanden, verdoppelte sich das Gewichtsrisiko.
 

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In die andere Richtung war ein Risiko nicht erkennbar. Angestellte, die in den drei ersten Untersuchungen ein-, zwei- oder dreimal einen BMI von 30 oder mehr hatten, waren in der Abschlussuntersuchung nicht häufiger adipös als Angestellte ohne diese Gewichtsprobleme.

Für die negativen Auswirkungen mentaler Erkrankungen auf das Körpergewicht führt Kivimäki mehrere Begründungen an. Zum einen sei bekannt, dass viele mentale Erkrankungen mit Essstörungen und einer verminderten körperlichen Aktivität einhergehen.

Den Patienten würden dadurch nicht nur mehr Kalorien zu sich nehmen als sie verbrauchen. Sie kämen auch nicht in den Genuss der günstigen Wirkungen, die sportliche Betätigungen auf das Gemüt ausüben – diese Wirkung war aber in den bisherigen randomisierten Studien gering.

Schließlich sei es möglich, dass Medikamente, etwa die bei Depressionen eingesetzten trizyklischen Antidepressiva, für die Gewichtszunahme verantwortlich sind. Andere Medikamente wie die SSRI können aber auch zu einer Gewichtsabnahme führen.

Auch biologische Faktoren, etwa eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse bei mentalen Erkrankungen könnten eine Rolle spielen, glaubt Kivimäki. Da eine Adipositas gesundheitliche Nachteile hat, sollte dieser Risikofaktor bei der Betreuung von Patienten mit mentalen Erkrankungen beachtet werden, fordert der Autor.

© rme/aerzteblatt.de

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