NewsAuslandAbtreibungen und ungewollte Schwangerschaften rückläufig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Abtreibungen und ungewollte Schwangerschaften rückläufig

Mittwoch, 14. Oktober 2009

London – Dank der Nutzung von Verhütungsmitteln nimmt die Zahl der Abtreibungen und ungewollten Schwangerschaften weltweit ab. Hatten 1995 noch schätzungsweise 45,5 Millionen Frauen abgetrieben, waren es acht Jahre später noch 41,6 Millionen, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des in den USA ansässigen Guttmacher Instituts heißt. Doch immer noch sterben demnach rund 70.000 Frauen im Jahr bei heimlichen Abbrüchen.

Die Zahl ungewollter Schwangerschaften von Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren ging laut der Studie von 69 pro tausend Frauen im Jahr 1995 auf 55 pro tausend 2008 zurück. Wenn Frauen die Möglichkeit haben, „selbst über den Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft und die Zahl ihrer Kinder zu entscheiden“, gehe automatisch die Zahl der unerwünschten Schwangerschaften und der damit häufig verbundenen Abtreibungen zurück, erklärte Institutsleiterin Sharon Camp.

„Angesichts der Möglichkeiten, die wir hätten, ist der Fortschritt allerdings nur sehr bescheiden“, beklagte sie. Neben mehr Investitionen in die Familienplanung forderte sie mit Blick auf die zahlreichen Todesfälle vor allem ein Ende allzu strikter Abtreibungsregelungen.

Zwar seien Abtreibungen in den meisten Industrieländern sicher und legal. In den meisten Entwicklungsländern dagegen seien sie zum Schaden der Frauen verboten, stark eingeschränkt und unsicher, sagte Camp.

In vielen dieser Länder seien Schwangerschaftsabbrüche mit zum Teil größten gesundheitlichen Risiken verbunden, heißt es in dem Bericht „Abtreibung weltweit – Ein Jahrzehnt ungleichen Fortschritts“. Schätzungen zufolge enden rund 70.000 Schwangerschaftsabbrüche im Jahr tödlich für die betroffenen Frauen. Etwa fünf Millionen Frauen müssten wegen Komplikationen medizinisch nachversorgt werden, weitere drei Millionen erhielten nicht einmal diese Nachversorgung.

40 Prozent der betroffenen Frauen leben laut der Studie in Ländern mit sehr restriktiven Abtreibungsgesetzen. Vor allem in Südamerika und Afrika sei dies der Fall. In 32 Ländern sind Schwangerschaftsabbrüche laut Institutsleiterin Camp ganz verboten.

„Verbote haben noch keine Abtreibung verhindert, sie sorgen nur dafür, dass das Verfahren für die Frauen gefährlich wird“, sagte sie. Immer noch müssten zu viele Frauen sterben oder lebenslänglich Schäden davontragen, weil ihnen „der Zugang zum legalen Schwangerschaftsabbruch verwehrt ist“. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #48084
RalfBettker
am Donnerstag, 15. Oktober 2009, 13:40

Kleiner Nachtrag

Der Namensgeber Dr. Alan Guttmacher war auch Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Eugenik.

Dies nur als Hinweis auf die generelle Geisteshaltung dieses Institutes.
Avatar #48084
RalfBettker
am Donnerstag, 15. Oktober 2009, 13:03

Keine Überraschung

Das Guttmacher-Insititute hat seinen Namen vom ehemaligen Präsidenten der Planned Parenthood Federation (PPF) und ist auch aus dieser hervorgegangen. Die PPF ist die weltweit größte Lobby-Organisation für die Abtreibungsindustrie und unterhält alleine in den USA Hunderte gut verdienende Abtreibungskliniken.

Daher ist es keine Überraschung, daß sie sich "wissenschaftlichen Back-up" von ihresgleichen holt.

Wäre nur wissenschaftlich gesehen äußerst angemessen, wenn das DÄ auch diese Konfliktinteressen dazu publizieren würde.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. April 2019
Amherst/Massachusetts – Seitdem es möglich ist, das Geschlecht eines Kindes vor der Geburt zu bestimmen, sind in 12 Ländern weltweit vermutlich 23 Millionen Mädchen abgetrieben worden, weil sie das
Schwangerschaftsabbrüche zur Geschlechtsselektion werden weltweit seltener
17. April 2019
Los Angeles – „Unplanned“ – ein Film über ungeplante Schwangerschaften und die Arbeit einer jungen Amerikanerin in einer Abtreibungsklinik hat in den USA eine hitzige Debatte ausgelöst. Der Film, der
Hitzige Debatte in den USA um Anti-Abtreibungsfilm
11. April 2019
Seoul – Südkoreas Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen verstößt gegen die Verfassung. Das entschied der Verfassungsgerichtshof des Landes heute in Seoul. Das Verbot verletze das Recht von Frauen auf
Südkoreas Verfassungsgericht kippt Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen
10. April 2019
Berlin – Vor der morgigen Debatte um die nichtinvasiven Pränataltests (NIPT) hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach klar Stellung bezogen. „Aus ärztlicher Sicht bin ich für eine Erstattung des
Lauterbach fordert neues Gremium für künftige Testverfahren
10. April 2019
Berlin – Morgen wollen die Abgeordneten im Bundestag in einer Orientierungsdebatte über nichtinvasive molekulargenetische Tests (NIPT) zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21
Demonstration gegen nichtinvasive molekulargenetische Tests
10. April 2019
Berlin – Vor dem Hintergrund der schnell wachsenden Weltbevölkerung hat der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) sich für einen verbesserten und selbstbestimmten Zugang von Frauen zu Verhütungsmitteln
214 Millionen Frauen haben keinen Zugang zu Verhütung
2. April 2019
Frankfurt am Main – Die Landesregierung in Hessen will sich mit der Frage befassen, ob Schutzzonen um Arztpraxen und Beratungsstellen, in denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden oder Frauen
LNS
NEWSLETTER