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Medizin

Down-Syndrom: Zwei Gene provozieren gemeinsam Leukämie

Montag, 19. Oktober 2009

Memphis – Das Zusammenwirken zweier Gene ist mitverantwortlich für eine Unterart der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL), an der bevorzugt Kinder mit Down-Syndrom erkranken. Die Publikation in Nature Genetics (2009; doi: 10.1038/ng.469) weckt neue Hoffnungen auf eine gezielte Therapie dieses Malignoms.

Menschen mit dem Down-Syndrom erkranken zehn bis zwanzig Mal häufiger im Kindesalter an einer ALL. Oft kommt es zu einer ansonsten seltenen Form, der B-Vorläuferzell-ALL. Sie zeichnet sich durch häufige strukturelle Veränderungen in den Chromosomen aus mit der Bildung von Fusionsgenen.

Dabei können Gene verstärkt werden, die das Krebswachstum fördern. Wie Charles Mullighan von der St. Jude Kinderklinik in Memphis/Tennessee und Mitarbeiter jetzt herausfanden, kommt es bei der B-Vorläuferzell-ALL auf den Geschlechtschromosomen häufig zur Fusion von CRLF2 mit P2RY8.

Diese Kopplung fanden die Forscher bei 7 Prozent aller Patienten mit B-Vorläuferzell-ALL. Von den Kindern mit Down-Syndrom, die an dieser Leukämie erkrankt waren, hatten 53 Prozent eine P2RY8-CRLF2-Fusion in den Tumorzellen.

P2RY8 ist ein Promotor, der die Ablesung anderer in Gene steigert. CRLF2 ist Teil eines Rezeptors, an das Zytokin TSLP, ein Wachstumsfaktor für T-Lymphozyten, bindet. Die Fusion steigert die Expression von CRLF2 und damit auch die Wirkung des Wachstumsfaktors.

CRLF2 und TSLP wurden bisher nur mit Entzündungen und Allergien, nicht aber mit Leukämien in Verbindung gebracht. Die Fusion trat aber häufig mit einer weiteren Mutation auf, die im letzten Jahr mit der Entstehung der B-Vorläuferzell-ALL bei Kindern mit Down-Syndrom in Zusammenhang gebracht wurde: JAK2 gehört zur Familie der Kinasen. Seine Stimulation führt zur unkontrollierten Zellvermehrung, einem Kennzeichen von Krebserkrankungen.

JAK2-Mutationen wurden auch mit anderen Krebserkrankungen bei Erwachsenen in Verbindung gebracht, und Wirkstoffe gegen diese Kinase werden derzeit in klinischen Studien untersucht. Studien zur Behandlung von anderen ALL bei Kindern sind geplant.

Auch bei der B-Vorläuferzell-ALL könnte diese Therapie wirksam sein, vor allem wenn sie mit Veränderungen im CRLF2-Gen assoziiert sind, wie dies bei 28 Prozent aller Kinder mit Down-Syndrom und ALL der Fall ist. Dass das Zusammentreffen der beiden Gene für die Entstehung der Leukämie von Bedeutung ist, zeigen auch Experimente, die Mullighan an Zellkulturen durchgeführt hat.

Zellen, bei denen beide Gene verändert waren, vermehrten sich, ohne dass die Forscher Wachstumsfaktoren hinzufügen mussten. Bei Zellen mit nur einer der beiden Mutationen war dies nicht der Fall.

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© rme/aerzteblatt.de

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