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Medizin

Tiefen­hirnstimulation bei Tourette-Syndrom langfristig wirksam

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Birmingham – Die Implantation eines Hirnschrittmachers kann Patienten mit Tourette-Syndrom langfristig von den quälenden Tics befreien, wie eine Studie britischer und italienischer Neurochirurgen in Neurology (2009; 73: 1375-1380) zeigt.

Bei etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung kommt es hin und wieder zu unwillkürlichen, abrupt einsetzenden, kurz dauernden motorischen Bewegungen, die Neurologen als Tics bezeichnen und deren Pathogenese weiterhin unklar ist. Die meisten Menschen lernen mit den Tics zu leben.
Nur wenn sie sehr stark ausgeprägt sind oder zu einer deutlichen psychosozialen Beeinträchtigung führen, was bei häufigen vokalischen Tics der Fall sein kann, kommt eine Therapie infrage. Neben der Gabe von Neuroleptika wird eine Reihe von verhaltenstherapeutischen Interventionen versucht.

Und nur wenn diese Therapien nicht zum erwünschten Erfolg führen und der Leidensdruck der Patienten sehr hoch ist, kommt eine Tiefenhirnstimulation infrage, die seit wenigen Jahren – in Deutschland in Aachen, München und Köln – erprobt wird.
 

Die Anregung lieferten die guten Erfahrungen beim Morbus Parkinson, wo die Tiefenhirnstimulation bereits von vielen Zentren angeboten wird. Beim Tourette-Syndrom gibt es erst wenige Erfahrungen aus kontrollierten Studien, und selbst die optimale Lage der Sonden, die regelmäßige Impulse an das Gehirn abgeben, ist noch unklar. Am günstigsten scheinen die Ergebnisse bei einer Platzierung im Globus pallidus internus oder in den Nuclei parafascicularis und centromedianus im Thalamus (CM-Pf) zu sein.

Die Gruppe um Andrea Cavanna von der Universität Birmingham, zu der auch Zentren in London und Mailand gehören, platzierten die Sonden bilateral in den rechten und linken CM-Pf. Bei 18 Patienten liegt der Eingriff bereits 2 Jahre zurück. Allerdings konnten drei Patienten nicht nachbeobachtet werden. Daher ist zu befürchten, dass die Therapie bei diesen Patienten nicht den erhofften Erfolg brachte.

Bei den anderen 15 Patienten hat sich das Tourette-Syndrom jedoch gebessert. Wie Cavanna berichtet, haben die Patienten heute im Durchschnitt 52 Prozent weniger Tics. Auch die Zwangsstörungen, Depressionen und Angststörungen, unter denen die Patienten begleitend und als Folge des Tourette-Syndroms litten, besserten sich um 26 bis 33 Prozent.

Die Forscher haben die Patienten auch auf kognitive Einschränkungen als mögliche Komplikation der Behandlung untersucht und keine entdecken können. Bis auf einen Patienten zeigten alle eine Verbesserung der sozialen Funktionen.

Insgesamt scheint die Therapie deshalb langfristig erfolgreich zu sein. Da die Erkrankung allerdings anders als der Morbus Parkinson eine günstige Prognose hat, dürfte die Tiefenhirnstimulation, die als invasives Verfahren nicht ohne prozedurale Risiken (Blutungen) ist, mehr noch als beim Morbus Parkinson eine Ausnahmetherapie bleiben, worauf auch die von Neurology publizierte Patienteninformation hinweist.

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© rme/aerzteblatt.de

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