NewsPolitikSchweinegrippe: Engpässe bei der Versorgung mit Impfstoff
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Schweinegrippe: Engpässe bei der Versorgung mit Impfstoff

Freitag, 6. November 2009

Hannover – In Niedersachsen gehen den Ärzten die Impfstoffdosen gegen die Schweinegrippe aus. Nach der anfangs mangelnden Impfbereitschaft gegen das neue Influenza-Virus hätten steigende Infizierungsfälle mittlerweile zu einem Ansturm auf die Arztpraxen geführt, sagte ein Sprecher des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums am Freitag in Hannover.

Er sprach von „Engpässen“ bei der Impfstoffversorgung, die durch neue Lieferungen hoffentlich bald aufgehoben würden. Hintergrund der Verknappung sei die schleppende Lieferung der wöchentlichen Impfstoffrationen.

Bislang seien von den für Niedersachsen vorgesehenen 4,85 Millionen Dosen erst 388 000 eingetroffen. Dies sei „wesentlich weniger“ als bis dato erwartet, sagte der Sprecher. Eine neue Tranche von 136 000 Impfstoffdosen soll ab Montag eintreffen.

Das Thüringer Ge­sund­heits­mi­nis­terium bestätigte, dass die Bundesländer bislang mit weniger Impfstoff beliefert worden seien als erwartet. Von den in den vergangenen drei Wochen in Aussicht gestellten drei Millionen Impfdosen sei nur etwa die Hälfte an die Länder geliefert worden, sagte Heinz Fracke vom Ministerium in Erfurt, das derzeit den Vorsitz der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz hat.

Allerdings sei die lieferbare Menge des Impfstoffes von Anfang an an den Produktionsverlauf gekoppelt worden. Die noch fehlenden Impfdosen sollen laut Fracke in den kommenden Wochen ausgeglichen werden.

Bereits Anfang dieser Woche hatte Bayern Probleme bei der Versorgung gemeldet. Viele Praxen hatten bis dato noch keinen Impfstoff erhalten und ihre Patienten auf die nächsten Wochen vertröstet. So gab es im Großraum München nach Auskunft einiger Ärzte kaum Möglichkeiten, überhaupt zeitnah an den Impfstoff zu kommen. Die Bayerische Landesapothekerkammer bestätigte, dass die Bereitstellung der Impfstoffe Probleme bereite. Bisher seien im Freistaat 360.000 von den bestellten 7,5 Millionen Impfdosen angekommen.

Eine Sprecherin des Herstellers GlaxoSmithKline in München bestätigte, dass derzeit weniger Dosen des Impfstoffes Pandemrix ausgeliefert werden, als dies ursprünglich – allerdings „unter Vorbehalt“ – geplant gewesen sei. „Wir müssen derzeit noch mit den Folgen der anfänglich geringen Ausbeute leben“, sagte Unternehmenssprecherin Anke Helten.

Ein Grund für die anfänglich geringeren Liefermengen sei die „zeitaufwändige und komplexe Einstellung der Produktionsprozesse“. So sei die Virusanzucht für die notwendige Antigen-Produktion zunächst schlechter gelaufen als erwartet. Auch die Nachtestung einzelner Impfstoffchargen und kurzfristige zusätzliche Vorgaben der Europäischen Zulassungsbehörde hätten zu einem Zeitverlust geführt.  
 

Anzeige

Durch die Umstellung des Produktionsprozesses sei die Ausbeute bei der Impfstoffherstellung aber verbessert worden. Dies werde sich ab Ende November auch in den Liefermengen deutlich bemerkbar machen. „Langfristig wird es keine Knappheit an Impfstoff geben“, versprach Helter. Bis Januar oder Februar sollten alle 50 Millionen bestellten Impfstoffdosen an die Länder ausgeliefert werden.

In einigen Ländern, wo neben der Impfung des Schlüsselpersonals etwa im Gesundheitswesen, bei Polizei und Feuerwehr bereits die Impfungen der Allgemeinbevölkerung in den Arztpraxen laufen, wurde zum Teil von Problemen bei der Impfstoffversorgung berichtet.

Angesichts der Liefersituation könne es „zu regionalen Impfengpässen und Rationierungen kommen“, bestätigte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium Sachsen-Anhalts in Magdeburg. Vor Ort würden deshalb auch Impftermine vergeben. Dabei hätten vor allem Menschen mit chronischen und anderen schweren Vorerkrankungen Vorrang.

Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) beklagten unterdessen, die Bevölkerung sei immer noch zu wenig darüber aufgeklärt, dass vom Schweinegrippe-Virus ein bedeutendes Gefahrenpotenzial ausgehe.

„Der Erreger der Neuen Influenza ist hoch infektiös – teilweise muss davon ausgegangen werden, dass er sogar doppelt so ansteckend ist wie der Erreger der saisonalen Grippe“, erklärte Tom Schaberg, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie des Diakoniekrankenhauses Rotenburg. 

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) mahnte unterdessen Wachsamkeit bei Mitarbeitern und Tieren in der Landwirtschaft. Nachdem das Virus A/H1N1 in jüngster Zeit nicht nur bei Schweinen, sondern auch bei mehreren anderen Tierarten nachgewiesen wurde, sei Vorsicht geboten, erklärte die WHO am Freitag in Genf.

Es sei möglich, dass sich in den Wirtstieren neue Grippevirus-Varianten bildeten und auf den Menschen übertragen werden könnten. Daher sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Veterinären und Gesundheitsbehörden notwendig. Sobald Farmtiere Grippesymptome zeigten, sollten auch landwirtschaftliche Mitarbeiter überprüft werden.afp/ddp © afp/ddp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Januar 2020
Mainz – Rheinland-Pfalz macht sich im Bundesrat für die Behebung von Lieferengpässen bei Medikamenten stark. Gemeinsam mit Hessen sei ein Entschließungsantrag im Bundesrat geplant, berichtete
Rheinland-Pfalz startet Initiative zu Lieferengpässen bei Arzneimitteln
14. Januar 2020
Hannover – Das Landesgesundheitsamt sieht Anzeichen für eine Grippewelle in Niedersachsen. Landesweit sei eine deutlich steigende Zahl von Grippemeldungen verzeichnet worden, teilte die Behörde heute
Influenza: Meldezahlen in Niedersachsen steigen
10. Januar 2020
Berlin – In der Debatte um Lieferengpässe bei Medikamenten macht sich der Apothekerverband ABDA erneut für eine verstärkte Arzneimittelproduktion in Europa stark. „Auf längere Sicht sollten
Apotheker für Produktion von Arzneimitteln in der EU
9. Januar 2020
Berlin – Angesichts anhaltender Lieferprobleme bei Arzneimitteln setzen sich die Grünen im Bundestag dafür ein, bestehende Meldepflichten für Lieferengpässe auszuweiten und ein zentrales Register beim
Arzneimittelengpässe: Grüne wollen Meldepflichten ausweiten
20. Dezember 2019
Stuttgart – In Baden-Württemberg sind in diesem Jahr bislang mehr Grippefälle gemeldet worden als zur gleichen Zeit 2018. Seit Beginn der Grippesaison im Oktober wurden dem baden-württembergischen
Mehr Grippefälle in Baden-Württemberg
19. Dezember 2019
Berlin – Die kontroversen Debatten um eine Reform des morbiditätsorientierten Risiko­struk­tur­aus­gleichs (Morbi-RSA) und die richtigen Recheninstrumente für den Kassen-Finanzausgleich sowie über die
Streit über Auswirkungen des Morbi-RSA und Ursachen der Lieferengpässe
19. Dezember 2019
Bonn – Der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Karl Broich, hat die zunehmenden Lieferengpässe von Medikamenten als „völlig inakzeptabel“ kritisiert. In
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER