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Medizin

pAVK: Erhöhtes Sterberisiko bei niedrigem Knöchel-Arm-Index

Dienstag, 10. November 2009

Bochum – Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) geht auch dann mit einem erhöhten Sterberisiko einher, wenn die Patienten (noch) keine Beschwerden haben. Die Ergebnisse einer prospektiven Kohortenstudie in Circulation (2009; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.865600) unterstreichen die Bedeutung des Knöchel-Arm-Index als einfaches Screening zur Früherkennung der häufigen Erkrankung.

Die Atherosklerose ist die häufigste Todesursache in den Industrienationen. Über die Hälfte aller Deutschen stirbt an den Folgen der Gefäßverkalkung, zu denen neben Herzinfarkt und Schlaganfall auch die pAVK zählt, deren Bedeutung häufig unterschätzt wird.

Die Diagnose wird in der Regel erst gestellt, wenn die Patienten an einer Claudicatio intermittens oder anderen Folgen der arteriellen Durchblutungsstörungen leiden. Dabei ist eine Früherkennung leicht. Erforderlich ist neben der ohnehin routinemäßig durchgeführten Blutdruckmessung an den Oberarmen nur eine Bestimmung des systolischen Werts an den Knöchelarterien, der mit Blutdruckmanschette und einem kleinen Dopplersonografie-Gerät möglich ist. Der Quotient ist der Knöchelarm-Index. Ein Wert unter 0,9 zeigt eine pAVK an.
 

Bei älteren Patienten sollte diese Untersuchung zur Routine gehören, fordert Hans-Joachim Trampisch von der Ruhr-Universität Bochum, der bereits bei früheren Auswertungen der German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index Study oder getABI-Studie zeigen konnte, dass jeder fünfte Teilnehmer (20,9 Prozent einer Gruppe von 6.880 über 65-jährigen Patienten aus 344 Hausarztpraxen) einen Knöchel-Arm-Index von unter 0,9 hatte.

Nicht einmal jeder Zweite (8,7 Prozent der Gruppe) wusste von der Erkrankung, die mit einem erheblichen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko einhergeht, wie die jetzige Publikation nach einer Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren zeigt.

Der Endpunkt aus Todesfall oder schweren Gefäßkomplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall oder Gefäßverschlüsse in den Beinen trat bei Patienten ohne pAVK mit einer Häufigkeit von 27,2 Ereignissen pro 1.000 Patienten und Jahr auf. Bei den Patienten mit asymptomatischer PAVK waren es 60,4 und bei Patienten mit symptomatischer PAVK 104,7 Ereignisse pro 1.000 Patienten und Jahr.

Mit anderen Worten: Schon bei einer asymptomatischen pAVK ist das Risiko mehr als zweifach erhöht. Bei einer symptomatischen pAVK traten die Spätfolgen der Atherosklerose fast vierfach häufiger auf.

Der Unterschied zwischen symptomatischen und asymptomatischen Patienten kam laut Trampisch allein dadurch zustande, dass in der statistischen Auswertung auch die Revaskularisierung (eine Operation zur Durchblutungsverbesserung, die bei Schmerzen durch Arterienverengung durchgeführt wird) als Gefäß-Ereignis gewertet wurde.

Rechne man nur die Todesfälle und ernsthaften Kreislauferkrankungen ein, unterscheide sich das Risiko zwischen den beiden Gruppen nicht mehr signifikant, betont Trampisch. Die Ergebnisse stützen deshalb die Forderung nach einem allgemeinen pAVK-Screening aller Hausarztpatienten über 65 Jahre.

Was fehlt ist der Nachweis, dass die Früherkennung durch Einleitung therapeutischer Maßnahmen die Prognose der Patienten verbessert, was allerdings jenseits der Möglichkeiten einer Beobachtungsstudie ist.

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© rme/aerzteblatt.de

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