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Medizin

Partydroge Ketamin schädigt das Gehirn

Dienstag, 17. November 2009

London – Die missbräuchliche Verwendung des Narkosemittels Ketamin als Partydroge kann zu Gedächtnisstörungen führen. Eine Kohortenstudie in Addiction (2009; 104: 77-87) dokumentiert außerdem eine Neigung zur chronischen Psychose.

Der NMDA-Rezeptorantagonist Ketamin wird nicht nur in der Medizin (und der Tiermedizin) als Narkotikum geschätzt. Das leicht erhältliche Mittel (in Deutschland rezeptpflichtig) wird immer wieder auch als Trenddroge missbräuchlich verwendet. Als „Special K“ (eine Anspielung auf ein Frühstücksmüsli, natürlich ohne Ketamin) war es bei US-Soldaten im Vietnamkrieg beliebt. Derzeit scheint es in England eine bevorzugte Partydroge zu sein.

Ketamin hat eine halluzinogene Wirkung, häufig am Rande zum „Horrortrip“. Um diese Komplikation zu vermeiden, wird Ketamin in der Medizin meist in Kombination mit einem Benzodiazepin verabreicht. Wegen des bekannten Einsatzes an Mensch und Tier gilt die Droge unter Drogenkonsumenten als sicher, was allerdings nicht mehr zutrifft, wenn das Mittel regelmäßig konsumiert wird.

Dann drohen nicht nur Schäden an Nieren und Blase, wie frühere Studien gezeigt haben. Auch das Denken verändert sich, wie Celia Morgan vom University College London an einer Kohorte von 150 Personen festgestellt hat.

Es handelte sich um fünf Gruppen à 30 Personen, welche die Droge regelmäßig (fast täglich), gelegentlich (ein- oder zweimal im Monat) konsumierten oder die Droge früher genommen hatten. Die beiden anderen Gruppen konsumierten andere Drogen oder keine Drogen.

Alle Teilnehmer unterzogen sich zu Beginn der Studie und (soweit noch erreichbar) nach 12 Monaten ausführlichen kognitiven Tests. Dabei zeigte sich, dass der regelmäßige Konsum mit deutlichen kognitiven Einbußen assoziiert war, die sich im Verlauf des Jahres verschlimmerten.

Gestört waren das Kurzzeitgedächtnis, das episodische Gedächtnis und einige exekutive Funktionen (Verstand). Gelegentliche Drogenkonsumenten hatten in den meisten Tests normale Ergebnisse, ebenso die Ex-Konsumenten.
 

Bei allen Drogenkonsumenten fiel aber eine Häufung von ungewöhnlichen Ansichten und Wahnvorstellungen auf, die Morgan auf die Droge zurückführt, welche die Konsumenten kurzfristig in psychotische Zustände versetzt. Die Studie kann allerdings nicht ausschließen, dass jüngere Menschen mit vorbestehender Psychose eine besondere Affinität zu Ketamin entwickeln. 

Ein weiterer Befund zeigt, dass sich die Konzentration von Ketamin in den Haaren (ein Marker für die langfristig konsumierte Menge) sich im Verlauf des Jahres bei den gelegentlichen Drogenkonsumenten verdoppelt hatte. Offenbar hatten sie ihre Dosis gesteigert, was sich als Hinweis auf eine zunehmende Abhängigkeit deuten lässt.

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© rme/aerzteblatt.de

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