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Serie „Schweine­grippe-Impfung“ (I): „Ich habe alle Patienten einer Risiko­gruppe an­ge­rufen“

Montag, 23. November 2009

Reutlingen – Udo Frank Gundel ist mit der Informationspolitik der Regierung zur Schweinegrippe unzufrieden. „Ich informiere mich aus dem ‚New England Journal‘ oder auf den Seiten des australischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium“, sagt der Allgemeinmediziner aus Reutlingen. „Dort kann man sehen, wie sehr die Schweinegrippe im letzten Winter auf der Südhalbkugel gewütet hat. Und welche Menschen zu den Risikogruppen gehören.“

Gundel hat sich als Impfarzt gemeldet, weil er der Meinung ist, dass er als Hausarzt Verantwortung dafür trägt, seine Patienten zu beraten und durch eine Impfung zu schützen. Und dass sie bei ihm besser aufgehoben sind als in der Anonymität eines Gesundheitsamtes.

„Ich habe alle meine Patienten, die zu einer Risikogruppe zählen, angerufen und ihnen zu einer Impfung geraten“, sagt er. „In der großen Mehrheit haben sie sich dann auch impfen lassen.“ Durch die mediale Panik seien nur wenige verunsichert gewesen: „Die meisten waren gut informiert und haben die Impfung auch gut vertragen.“
 

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Gundel hat zunächst die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts abgewartet und dann bislang 154 Dosen bestellt, die er von seiner Apotheke erhalten hat. In den ersten beiden Tagen kamen auch fremde Patienten zu ihm, die sich impfen lassen wollten, danach nur noch seine eigenen.

Von seiner KV habe er ein informatives Rundschreiben erhalten, sagt Gundel. Das Honorar von fünf Euro pro Patient hält er allerdings für nicht ausreichend: „Wenn man den Mehraufwand bedenkt, den ich habe, ist das Honorar geradezu grotesk!“

Die Impfaktion gegen die Schweinegrippe begann in Baden-Württemberg am 26. Oktober. Über einen Zeitraum von 16 Wochen sollen circa drei Millionen Patienten geimpft werden, zunächst diejenigen, die zu einer Risikogruppe zählen. Die Impfungen sollen vorrangig niedergelassene Ärzte vornehmen; jeder Impfwillige kann dabei von jedem Niedergelassenen geimpft werden.

Die Organisation der Impfungen liegt bei der einzelnen Praxis. Eine Haftung für Impffolgen ist bei sachgerechter Durchführung der Impfung für den Arzt ausgeschlossen. Etwaige Ansprüche nimmt das Land Baden-Württemberg entgegen.  

Die Planung sieht vor, dass eine Praxis bei einer örtlichen Apotheke den Impfstoff mittels eines Kassenrezeptes anfordert. Die Apotheke liefert der Praxis den Impfstoff plus Adjuvans und einschließlich Impfbesteck.  Bei unvorhergesehenen Lieferengpässen ist eine Kooperation der Apotheken untereinander vorgesehen.

Die Abrechnung erfolgt quartalsweise ausschließlich über eine Sammelerklärung jedes Arztes. Diese kann mit der jeweiligen Honorarabrechnung bei der KV Baden-Württemberg eingereicht werden. Daneben können für diese Impfung keine weiteren Leistungen abgerechnet werden, auch nicht für privat Versicherte oder beihilfeberechtigte Patienten. 

Das Deutsche Ärzteblatt wird auf seiner Internetseite in den kommenden Wochen regelmäßig über die Erfahrungen einzelner Impfärzte und die Abläufe in den jeweiligen Bundesländern informieren.

© fos/aerzteblatt.de

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Avatar #98725
trian
am Dienstag, 24. November 2009, 14:30

Impfung als Aufgabe der Gesundheitsämter

Die Grippeimpfung führen die Ärzte in unserem Gesundheitsamt zusätzlich zur sonstigen Tätigkeit durch, entsprechend der gesetzlichen Aufgaben des ÖGD. Da uns der Staat bezahlt, entstehen keine finanziellen Nachteile, die nicht getane Arbeit hängt aber nach.
Für die Umstände können auch wir nichts, darum mein Beileid zur sicherlich nicht adäquaten Vergütung der Impfleistung. Zumindest steiten sich die Ärzte wieder untereinander, wer wieviel arbeitet und (unberechtigt) verdient- dann kann das ja so weitergehen.
Avatar #98724
TomKnox
am Dienstag, 24. November 2009, 14:01

Abwarten

Damals sind den Kindern auch nicht direkt die Arme abgefallen..

Lasst euch nicht alles in den Körper spritzen nur weil es euch gesagt wird.
Avatar #87250
adonis
am Dienstag, 24. November 2009, 07:42

Wie immer hat sich unser Staat eine für ihn billige Lösung geschaffen!!!

5 Euro ist ein Witz!!! Die dafür zuständigen Behörden sind die öffentlichen Gesundheitsämter. Die haben aber gar keine Lust, da schreibt man doch lieber für hunderte oder tausende Euro Gutachten, als dass man seinen Auftrag ausführt.
Besonders witzig fand ich diese Passage:
"Die Organisation der Impfungen liegt bei der einzelnen Praxis. Eine Haftung für Impffolgen ist bei sachgerechter Durchführung der Impfung für den Arzt ausgeschlossen. Etwaige Ansprüche nimmt das Land Baden-Württemberg entgegen. "
Die impfstoffherstellenden Firmen haben sich eine Generalabsolution geben lassen ( Wie die Atomindustrie mit Ausnahme von Vattenfall). Wenn was schief geht, dann sind es nie sie. Die Ärzte werden aber unter das Joch der Haftung bei öffentlich empfohlenen Impfungen gezwungen. Das heisst Bürokratie pur, die kein Mensch einhalten kann. Aber es ist ja auch klar: Der Staat hat sich die für ihn leichteste und billigste Lösung geschaffen und die deutsche Ärzteschaft hat sich wiedermal aus Gutmütigkeit und falsch verstandener Hilfsbereitschaft vor den Karren spannen lassen. Das erinnert alles zu sehr an die Diskussionen um Leichenschau und Leitender Notarzt.
Avatar #98372
Thelber
am Montag, 23. November 2009, 23:42

Ende Oktober ....

Wir bekamen unseren ersten Impfstoff erst am 11. November geliefert.

Inzwischen haben wir 50 Patienten geimpft und ich selbst bin es auch. Bislang ohne nennenswerte Nebenwirkungen. 2-3 Tage Schmerzen im Impfarm ist die Regel, mehr nicht.
LNS

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