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Medizin

Was Lepra-Gene über den Morbus Crohn aussagen

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Singapur – Eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) unter Han-Chinesen zeigt, dass einige Gene Infektionsbereitschaft und Verlauf der Lepra-Erkrankung beeinflussen. Einige der im New England Journal of Medicine (2009; doi: 10.1056/NEJMoa0903753) genannten Gene waren kürzlich auch mit dem Morbus Crohn in Verbindung gebracht worden.

Ein wesentliches Kennzeichen von Mycobacterium leprae ist seine Langsamkeit. Die Zellteilungsrate ist so gering, dass es bisher nicht gelang, ihn im Labor zu vermehren. Auch die Infektiosität ist gering und wenn sich Menschen mit M. leprae infizieren, vergehen viele Jahre, bis sich Krankheitszeichen zeigen.

Diese können aus einzelnen hypopigmentierten und gefühlstauben Hautregionen bestehen. Das ist die tuberkuloide oder paucibazilliäre Lepra. Die Mykobakterien können sich aber auch ungehemmt über Blutbahnen und Lymphsystem im ganzen Körper verbreiten.

Dann kommt es zur lepromatösen oder multibazilliären Lepra, die seit der Entwicklung der Antibiotika selten geworden ist. Da die Bakterien bei beiden Verlaufsformen die gleichen sind (auch bei Mutationen zeichnet sich M. leprae durch eine große Langsamkeit aus), müssen menschliche Faktoren die unterschiedlichen Verlaufsformen erklären.
 

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Den Suszeptibilitätsfaktoren, die diese Unterschiede in Infektanfälligkeit und Krankheitverlauf erklären, ist die Gruppe um Jian-Jun Liu vom Genome Institute in Singapur mit einer GWAS auf den Grund gegangen.

Die Forscher verglichen Einzelnukleotid-Polymorphismen (Single Nucleotide Polymorphism, SNP) von 706 N Lepra erkrankten Han-Chinesen und 1.225 Kontrollen. Danach erfolgte eine Validierung an weiteren 3.254 Patienten und 5.955 Kontrollen. Insgesamt 93 SNPs waren signifikant mit der Lepra assoziiert, von denen Liu sieben eine Bedeutung als Suszeptibilitätsfaktor zuschreibt.

Einige Gene erleichtern das Aufspüren und die Abwehr von Krankheitserregern. NOD2 beispielsweise erkennt Komponenten auf der Zellwand von Mykobakterien, zu denen bekanntlich auch der Tuberkuloserreger gehört.

NOD2 verhindert oder bremst deshalb die Vermehrung von M. leprae: Tierversuche haben gezeigt, dass die Eliminierung von NOD2 und einiger anderer der jetzt mit M. leprae in Verbindung gebrachten Gene bei Mäusen die Anfälligkeit auf eine Tuberkulose dramatisch erhöht.

Andere Gene erklären die Tatsache, dass bei Patienten mit einer multibazilliären Lepra eine Th-2-Reaktion des Immunsystems vorherrschend ist, während eine Th-1-Reaktion mit einer paucibazilliären Lepra einhergeht. Offenbar bestimmt nicht der Erreger, sondern die genetische Konstitution des Patienten, ob es zu einer massiven Vermehrung der Erreger kommt oder nicht.

Zwei Gene, NOD2 und TNFSF15, wurden kürzlich auch mit der Pathogenese des Morbus Crohn in Verbindung gebracht. Bei dieser entzündlichen Darm­er­krank­ung kommt es ebenfalls zu einer Th-1-Reaktion und zur Bildung von Granulomen.

Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass der Morbus Crohn durch Mykobakterien verursacht wird, obwohl diese Hypothese diskutiert wurde. Es könnte aber sein, dass eine ähnliche Aufstellung des Immunsystems beide Krankheiten begünstigt, wie die Editorialisten Erwin Schurr und Philippe Gros von der McGill Universität in Montreal vermuten (NEJM 2009; doi: 10.1056/NEJMe0910690).

© rme/aerzteblatt.de

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