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Medizin

Schizophrenie: Wahrnehmungsfehler korreliert mit dem Gefühl der Fremdbestimmung

Montag, 21. Dezember 2009

Tübingen - Ein Fehler in der Bewegungswahrnehmung korreliert bei Schizophrenie-Patienten mit dem Gefühl der Fremdbestimmung, einem charakteristischen Symptom ihrer Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler um Matthis Synofzik des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung im Universitätsklinikum Tübingen. Sie publizierten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Brain (doi:10.1093/brain/awp291).

In Deutschland leiden rund 800.000 Menschen an Schizophrenie. Ein bislang nur unzureichend erklärtes Symptom dieser Erkrankung ist die Überzeugung der Patienten, dass die eigenen Handlungen fremdbeeinflusst werden.

Die Ergebnisse der Tübinger Wissenschaftler belegen nach eigenen Angaben erstmals, dass das Gefühl der Fremdbeeinflussung auf einem Defizit in einem basalen Wahrnehmungsmechanismus beruht, dem ungenauen inneren Vorhersagen über die Konsequenzen der eigenen Bewegungen.

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An 20 Schizophrenie-Patienten und 20 gesunden Kontrollpersonen untersuchten die Forscher die Zusammenhänge zwischen dem Gefühl der Fremdbestimmung und der Bewegungswahrnehmung durch die Analyse von Handbewegungen. Die Probanden sahen ihre Handbewegungen nicht direkt, sondern als Projektion auf einer Spiegelfläche oberhalb ihrer Hand.

Durch diesen Aufbau konnte die visuelle Rückmeldung der eigenen Handbewegung gegenüber der tatsächlich durchgeführten Handbewegung verdreht werden. Im Vergleich zu den Kontrollprobanden konnten Schizophrenie-Patienten aber nur eingeschränkt erkennen, ob die im Spiegel beobachtete Bewegung gegenüber ihrer tatsächlich durchgeführten Bewegung verdreht war oder nicht.

Diese Beeinträchtigung bei der Wahrnehmung der eigenen Bewegung war umso größer, je stärker die Patienten Gefühle der Fremdbeeinflussung im Alltag erlebt hatten. In einem zweiten Experiment gab es einzelne Testdurchläufe, in denen die Bewegungen, die die Studienteilnehmer anschließend beschreiben sollten, nicht im Spiegel dargestellt wurden. Sie erhielten also keine visuelle Rückmeldung und mussten sich bei den Angaben über ihre Bewegung auf ihre innere Vorhersage verlassen.

Das Ergebnis: Schizophrenie-Patienten konnten nur sehr ungenaue Angaben machen, wohin sie ihre Handbewegung ausgeführt hatten, wenn sie sich nur auf ihre eigene innere Vorhersage verlassen mussten.

 Auch diese Ungenauigkeit korrelierte mit dem Erleben von Fremdbeeinflussung im Alltag: Das spezielle Wahrnehmungsdefizit war umso größer, je stärker die Patienten Gefühle der Fremdbeeinflussung ihrer Handlung erlebt hatten.

© hil/aerzteblatt.de

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