Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Weiterer Milchskandal in China fast ein Jahr vertuscht

Donnerstag, 7. Januar 2010

Peking – Nach dem Skandal um verseuchtes Milchpulver in China haben die Behörden einen erneuten Fall fast ein Jahr lang vertuscht. Nach Justizangaben entdeckten Lebensmittelinspekteure im Februar und April 2009 in einer Milchfabrik in Shanghai erneut die gesundheitsschädliche Chemikalie Melamin in Milchpulver und Kondensmilch. Drei Verantwortlichen soll jetzt der Prozess gemacht werden.

Der Fall in der „Shanghai Panda Dairy“ sei bereits „ziemlich früh“  aufgedeckt worden, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Shanghai am Donnerstag. Der Skandal sei noch im April an die Polizei weitergeleitet und die Verantwortlichen daraufhin festgenommen worden. 

Der Prozess gegen den Manager der Fabrik und seine beiden Stellvertreter soll in rund „anderthalb Monaten“ beginnen, sagte der Sprecher, der wegen der Brisanz des Falls namentlich nicht genannt werden wollte. Ihnen werde die Herstellung und der Verkauf „giftiger und gefährlicher Nahrung“ vorgeworfen.

Chinesische Medien hatten erstmals in der vergangenen Woche von der Schließung der Fabrik Shanghai Panda Dairy berichtet. Nach Angaben der staatlichen Tageszeitung „Shanghai Daily“ war das Unternehmen bereits im Rahmen des ersten Skandals 2008 geschlossen worden, durfte seine Produktion aber später unter Auflagen wieder aufnehmen.

Der Skandal um mit Melamin verseuchtes Milchpulver wurde im September 2008 aufgedeckt. Die gesundheitsschädliche Industriechemikalie war im großen Stil der mit Wasser gestreckten Milch beigemischt worden, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen: Mindestens sechs Babys starben nach dem Genuss der Milch, fast 300.000 Babys und Kleinkinder erkrankten.

Der Skandal weitete sich international aus, nachdem Melamin-Spuren auch in chinesischen Export-Produkten entdeckt worden waren. Mehreren Verantwortlichen mussten sich vor Gericht verantworten, zwei von ihnen wurden im vergangenen November hingerichtet. Nicht äußern wollte sich der Sprecher der Shanghaier Staatsanwaltschaft zu der Frage, warum die Behörden die neuerliche Affäre so lange geheim hielten.

Chinesische Medien vermuteten jedoch, die Behörden hätten aus Sorge geschwiegen, die Enthüllungen könnten der wirtschaftlichen Erholung des Landes schaden.

In einer südchinesischen Elektrofabrik leiden unterdessen mehr als 150 Arbeiter an einer Quecksilbervergiftung. Insgesamt 152 Arbeiter der Fabrik in Foshan seien nach Urinproben positiv getestet worden und müssten sich weiteren Untersuchungen unterziehen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag.

Nach Angaben des Personalchefs wird bei der Produktion in der Fabrik flüssiges Quecksilber eingesetzt, viele Arbeiter verzichteten aber „aus Bequemlichkeit“ auf Schutzmasken. Ins Rollen kam der Fall erst, weil sich 23 Arbeiter auf eigene Kosten testen ließen, die unter Kopf- und Gelenkschmerzen sowie unter akutem Haarausfall litten. © afp/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.turhanosman
am Freitag, 8. Januar 2010, 11:38

Melamin in Milchpulver

Gibt es überhaupt unverseuchtes Nahrungsmittel heuzutage ?

Nachrichten zum Thema

04.01.18
Peking macht Fortschritte im Kampf gegen Smog
Peking – Im Kampf gegen den Smog in Peking zeigen die Umweltschutzmaßnahmen nach Angaben der Behörden Wirkung. Die Luftwerte in der chinesischen Hauptstadt seien 2017 die besten seit Einführung der......
20.12.17
Universitätsmedizin in Greifswald baut Zusammenarbeit mit China aus
Greifswald – Das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald wird künftig noch enger mit der School of Medicine and Health Management an der Huazhong Universität für......
27.10.17
Studie: Blutdruck in China außer Kontrolle
Peking – Schätzungsweise 200 Millionen Erwachsene in China haben einen zu hohen Blutdruck, aber weniger als 15 Prozent werden behandelt. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie an 1,7 Millionen......
21.06.17
Deutschland und China suchen nach Gemeinsamkeiten
Berlin – Trotz der Unterschiede im Gesundheitssystem zwischen Deutschland und China ist in beiden Systemen die Digitalisierung aktuell eines der wichtigsten Themen. Das wurde auf dem 10. Symposium der......
14.03.17
Altersforschung: Ein längeres Leben mit zunehmend schlechter Gesundheit
Durham/Rostock – Vergleicht man einen 100-Jährigen 1998 mit einem 100-Jährigen 2008, sollte man davon ausgehen, dass der zehn Jahre später Geborene einen gesundheitlichen Vorteil hat. Das ist jedoch......
01.03.17
Shanghai verschärft Rauchverbot an öffentlichen Orten
Shanghai – Die Stadtverwaltung von Chinas größter Stadt Shanghai hat das Rauchverbot auf alle öffentlichen Gebäude und einige Außenflächen erweitert. Zuvor war Rauchen nur in einigen Gebäuden......
17.02.17
China verzeichnet 79 Todesfälle durch Vogelgrippe im Januar
Peking – China hat einen deutlichen Anstieg von Todesfällen durch Vogelgrippe zu verzeichnen: Allein im Januar starben nach offiziellen Angaben fast 80 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige