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Medizin

Cholesterin-Gen könnte vor Altersdemenz schützen

Mittwoch, 13. Januar 2010

New York City – Der Austausch einer einzelnen Aminosäure im Cholesterinester-Transferprotein (CETP) ging in einer prospektiven Kohortenstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2010; 303: 150-158) mit einer verminderten Rate von Demenzerkrankungen einher.

CETP wird in der Leber gebildet und ans Blut abgegeben. Dort greift es in den Cholesterinstoffwechsel ein mit dem Ergebnis, dass die Konzentration des positiven HDL-Cholesterins sinkt. CETP hat also eine ungünstige Wirkung und ein “Defekt” im CETP-Gen, den die Gruppe Richard Lipton vom Albert Einstein College of Medicine 2003 entdeckt hat, könnte deshalb vorteilhaft sein, weil es Atherosklerose (in den Hirnarterien) reduziert, zu deren Folgen die Demenz zählt.

Genau eine solche Wirkung bestätigt jetzt die Einstein Aging Study, die eine Gruppe von über 70-Jährigen begleitet. Von den 523 am Anfang kognitiv gesunden Senioren, sind in den folgenden 4,3 Jahren 40 an einer Demenz erkrankt.
 

Darunter waren nur wenige mit dem Genotyp V405. Er bezeichnet den Wechsel der Aminosäure Isoleucin nach Valin an Position 405, der eine verminderte CETP-Wirkung zur Folge hat: Menschen, die homozygot auf V405 sind (bei denen also beiden Gene “defekt” sind), erkrankten zu 72 Prozent seltener an einer Alzheimerdemenz (Hazard Ratio 0,28; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,10-0,85).

Die Gruppe um Lipton, die die kognitiven Fähigkeiten der Studienteilnehmer regelmäßig untersucht, kann zeigen, dass vor allem das episodische Gedächtnis von der Genvarianten profitiert, während es auf die Testergebnisse zur Aufmerksamkeit und zur psychomotorischen Geschwindigkeit keinen Einfluss hatte. Frühere Studien hatten gezeigt, dass der Genotyp V405 mit einer höheren Lebenserwartung einhergeht und die jetzigen Ergebnisse bieten hierfür eine plausible Erklärung.

CETP ist übrigens auch Ansatzpunkt von Medikamenten, die allerdings die in sie gesetzten Erwartungen bisher nicht erfüllten. Die klinische Entwicklung des ersten CETP-Inhibitors Torcetrapib wurde abgebrochen, nachdem er einer randomisierten Studie (NEJM 2007; 357: 2109-2122) die Morbidität und Mortalität von kardialen Risikopatienten erhöhte, obwohl die erwünschte Steigerung des HDL-Cholesterins erreicht wurde.

Inzwischen ist mit Anacetrapib ein weiterer CETP-Inhibitor in der klinischen Entwicklung. Sollte er sich als sicher erweisen, dürfte sich bald die Frage stellen, ob er neben den erhofften günstigen Wirkung auf Herzkreislauferkrankungen die Patienten auch vor eine Demenz schützen könnte.

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© rme/aerzteblatt.de

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