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Medizin

Fazialisparese: Künstlicher Muskel ermöglicht Lidschluss

Dienstag, 19. Januar 2010

Sacramento – Plastische Chirurgen aus Kalifornien schlagen in den Archives of Facial Plastic Surgery (2010; DOI: 10.1001/archfacial.2009.111) eine Operation vor, die Patienten mit Fazialisparese einen natürlichen Lidschluss ermöglichen könnte. Der bisher erst an Leichen durchgeführte Eingriff wäre die erste Anwendung von „künstlichen Muskeln“ in der Medizin.

Der fehlende Lidschluss bei der Fazialisparese kann zu einer Schädigung der Cornea führen. Um dies zu verhindern wird den Patienten heute entweder ein kleines Gewicht aus Gold oder Titan ins Oberlid implantiert. Oder die Chirurgen versuchen durch eine komplizierte vielstündige plastische Operation den Lidspalt zu verkleinern, berichten Craig Senders und Mitarbeiter von der Universität in Sacramento.

Die beiden Chirurgen schlagen als Alternative folgenden Eingriff vor: In Oberlid und Unterlid wird jeweils ein Kunststofffaden implantiert. Beide Fäden sind nasal fest am Knochen verankert. Wenn von temporal an den beiden Fäden gezogen wird, erzwingt dies einen Lidschluss.

Nach dem Loslassen öffnen sich die Lider wieder. Für die Simulation des natürlichen Blinzelns, durch den die Cornea befeuchtet wird, fehlt nur noch ein Motor, der schnell und regelmäßig an den Fäden zieht, sowie eine neuronale Steuerung.

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Für den Motor greifen die Chirurgen auf eine Entwicklung einer kalifornischen Firma (SRI International in Menlo Park) zurück. Deren Ingenieure hatten schon vor Jahren den „künstlichen Muskel“ EPAM entwickelt. EPAM steht für „electroactive polymer artificial muscle“. Es handelt sich um einen Kunststoff, der sich nach elektrischer Reizung schnell zusammenzieht.

Genau an diesen EPAM haben Senders und Mitarbeiter die freien Enden ihrer „Lidschlinge“ befestigt, die sie bisher nur an Leichen getestet haben. Der EPAM lässt sich äußerlich kaum sichtbar in der Fossa temporalis anbringen. Dort sei auch Platz genug für eine kleine Batterie, die den Motor mit Strom versorgt, schreiben die Chirurgen.

Ähnliche Aggregate würden auch bei Cochlear-Implants verwendet. Die Steuerung soll über einen Sensor erfolgen, der unter der Augenbraue auf der nicht gelähmten Gesichtshälfte implantiert würde. Er würde den natürlichen Lidschluss (oder ein willkürliches Blinzeln) erkennen und dann jeweils den Motor aktivieren.

Die ersten operativen Eingriffe an Leichenpräparaten verliefen erfolgreich. Derzeit versuchen die Forscher ihr Verfahren weiter zu verfeinern. Sie hoffen innerhalb von fünf Jahren mit ersten klinischen Studien beginnen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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