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Medizin

Alzheimer: Gedächtnisdrink soll verbale Erinnerung fördern

Mittwoch, 20. Januar 2010

Amsterdam – Ein Cocktail aus drei Nährstoffen soll bei Menschen mit Morbus Alzheimer die Bildung neuer Synapsen stimulieren. In einer randomisierten klinischen Studie in Alzheimer's and Dementia (2010; 6: 1-10) besserte sich das verbale Gedächtnis. Ein Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung war aber nicht erkennbar.

Das Getränk Souvenaid®, das die Firma Nutricia (Tochter von Danone) einführen möchte, geht auf ein Konzept des US-amerikanischen Neuropharmakologen Richard Wurtman zurück. Das Getränk enthält Uridin, Cholin und Omega-3 Fettsäuren. Uridin und Cholin sind Zwischenprodukte im Fettsäurestoffwechsel. Sie werden ebenso wie die essentiellen Omega-3 Fettsäuren für die Synthese von Zellmembranen benötigt.

Alle drei Substanzen sind auch in der Muttermilch enthalten. Der von Wurtmann entworfene und patentierte Drink ist allerdings nicht als Babynahrung gedacht, er soll vielmehr älteren Menschen helfen, ihre kognitiven Fähigkeiten zu erhalten.

In früheren tierexperimentellen Studien, die der Forscher am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge/Massachusetts durchgeführt hat, war der Cocktail in der Lage, das Wachstum von Dendriten und die Bildung von Synapsen zu fördern. Die Verknüpfung der Nervenzellen über Synapsen ist eine biologische Grundlage der Gedächtnisbildung.

Ob das Getränk bei Patienten mit Morbus Alzheimer den Gedächtnisverlust verlangsamen kann, wurde in einer klinischen Studie untersucht, an der unter Leitung von Philip Scheltens von der Vrije Universiteit Medical Center in Amsterdam (unter Beteiligung der TU München) 225 Patienten im Frühstadium der Erkrankung teilnahmen.

Über 12 Wochen erhielten die Patienten entweder das von Wurtman entwickelte Getränk oder ein Kontrollgetränk ohne die drei Nährstoffe. Primärer Endpunkt waren die Ergebnisse in einem Test zum verbalen Gedächtnis in der Wechsler Memory Scale. Hier kam es tatsächlich bei 40 Prozent der Patienten, die den „Gedächtnis-Drink“ erhalten hatten, zu einer Verbesserung.

Aber auch das Kontrollgetränk zeigte bei 24 Prozent der Teilnehmer eine günstige Wirkung. Angesichts dieser Placebowirkung stellt sich die Frage, wie valide der Test für den Verlauf der organischen Erkrankung ist. In allen anderen Tests, darunter auch dem ADAS-cog, dem Standardtest beim Morbus Alzheimer, gab es keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Wurtman führt dies auf die geringe Teilnehmerzahl zurück und hofft, dass drei laufende Studien die medizinische Wirkung belegen werden. Dazu gehört die “S-Connect”-Studie, die Anfang 2009 unter Leitung des Rush Alzheimer’s Disease Center in Chicago begonnen wurde.

An der Vrije Universiteit in Amsterdam startete ebenfalls im letzten Jahr die “Souvenir II”-Studie. Die dritte Studie führt das LipiDiDiet-Konsortium unter Leitung der Universität des Saarlands in Homburg durch. An jeder der drei Studien sollen bis zu 500 Patienten teilnehmen. Die Ergebnisse sollen zwischen für 2011 und 2013 vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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