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Ausland

IWF-Chef fordert „Marshall-Plan“ und Schuldenerlass für Haiti

Mittwoch, 20. Januar 2010

Port-au-Prince/Berlin – Nach der Erdbebenkatastrophe hat der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, „eine Art Marshall-Plan“ für Haiti gefordert. Die Welt müsse dem armen Karibikstaat wieder auf die Beine helfen, sagte Strauss-Kahn am Mittwoch in Hongkong. Die Hilfe für Haiti wird auch eines der Hauptthemen beim Weltwirtschaftsforum (WEF) kommende Woche in Davos sein.  

Für Haiti sei etwas „Großes“ erforderlich, um dem nacheinander von Reis- und Ölpreiserhöhungen, von Hurrikanen und nun dem Erdbeben schwer getroffenen Land zu helfen, sagte der IWF-Chef. Als weiteren Schritt schlug Strauss-Kahn einen Schuldenerlass vor. Der von den USA aufgelegte Marshall-Plan ermöglichte nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau Westeuropas. Nach Einschätzung der haitianischen Botschafterin in Madrid, Yolette Azor-Charles, wird der Wiederaufbau Haitis mindestens 25 Jahre dauern.  

In dem Karibikstaat lösten sich erneut gute mit schlechten Nachrichten ab. Während Helfer wie durch ein Wunder eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben drei weitere Überlebende aus den Trümmern bargen, wurde das Land von dem bislang schwersten Nachbeben mit der Stärke 6,1 erschüttert.

Nach erster Panik begannen Rettungsmannschaften in der Hauptstadt Port-au-Prince sofort mit der Suche nach möglichen neuen Opfern. Nach Angaben des US-Erdbebenzentrums lag das Epizentrum 59 Kilometer westlich von Port-au-Prince in rund zehn Kilometern Tiefe. Das Ausmaß der neuen Zerstörungen war zunächst unklar. 

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Zuvor hatten Helfer in Port-au-Prince eine etwa 70 Jahre alte Frau aus den Trümmern einer zerstörten Kathedrale gerettet. Aus den Ruinen eines Supermarktes bargen sie zudem eine 25-jährige Frau. In Jacmel im Süden Haitis entdeckten französische Helfer ein 23 Tage altes Baby unter einem eingestürzten Haus.  

Insgesamt wurden seit dem Beben am Dienstag vergangener Woche mehr als 120 Überlebende geborgen, wie das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) mitteilte. Schätzungen zufolge kamen rund 75.000 Menschen ums Leben, 250.000 weitere wurden verletzt. Etwa 1,5 Millionen Menschen sind obdachlos.  

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ zwei weitere deutsche Opfer gefunden. Die beiden Männer, die für die Vereinten Nationen gearbeitet haben sollen, müssten aber noch identifiziert werden, sagte eine Sprecherin in Berlin. Bislang war ein Bundesbürger tot geborgen worden. Sieben Deutsche würden noch vermisst.

Die internationalen Hilfslieferungen unter dem Schutz der US-Armee gewannen langsam an Fahrt. Auf dem US-Krankenhausschiff "Comfort" sollte noch am Mittwoch mit Notoperationen begonnen werden. Ein von der Caritas und der Diakonie organisierter Lufttransport mit Großraumzelten und medizinischem Material zur Versorgung von 80.000 Menschen konnte endlich landen.  

Die Sicherheitslage war jedoch wegen Plünderungen weiter prekär. Der haitianische Botschafter in den USA, Raymond Joseph, forderte in Washington, es dürften keine Hilfspakete mehr aus der Luft abgeworfen werden. Frankreich kündigte die Entsendung von 100 Polizisten zur Verstärkung der UN-Mission MINUSTAH an. Spanien schickt weitere 450 Soldaten und 50 Ärzte.  

Bei der Sendung "Wir wollen helfen! Ein Herz für Kinder" riefen zahlreiche deutsche Prominente zu Spenden für das Katastrophengebiet auf. Bis Mittwochmorgen trafen laut "Bild" Spendenzusagen in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte weitere 2,5 Millionen Euro Soforthilfen für das Welternährungsprogramm an. © afp/aerzteblatt.de

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