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Medizin

USA: Kampf dem Salz

Donnerstag, 21. Januar 2010

San Francisco – Müssen US-Kids ihre Pommes künftig ohne Salz essen? In den USA mehren sich Stimmen, die eine gesetzliche Reglementierung des Salzgehalts von Nahrungsmitteln fordern. In einer Studie im New England Journal of Medicine (2010; doi: 10.1056/NEJMoa0907355) rechnet eine Epidemiologin vor, dass schon 3 Gramm weniger Salz am Tag jedes Jahre zehntausende Menschenleben retten würde.

Die Verwaltung der Stadt New York hat Anfang des Jahres Pläne bekannt gegeben, nach denen Restaurantbesitzer und die Hersteller von Fertigprodukten künftig zu einer sparsameren Verwendung von Salz verpflichtet werden sollen. Das Institute of Medicine, das sich durch seinen Report zur Patientensicherheit bekannt geworden ist, arbeitet nach Recherchen der New York Times an einem weiteren Report zu den Gefahren von Salz in Nahrungsmitteln.

Und die Arzneibehörde FDA soll nach unbestätigten Berichten überlegen, eine Deklarationspflicht für Salz einzuführen. Tatsächlich ist die US-amerikanische Fastfood-Küche sehr salzhaltig, was dazu führt, dass vor allem Teenager und junge Erwachsene mehr als das Doppelte der 5 bis 6 Gramm Salz täglich konsumieren, welche die Weltgesundheitsorganisation als ausreichend einstuft.

Epidemiologische Studien haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass eine vermehrte Kochsalzzufuhr mit einem erhöhten Blutdruck assoziiert ist. Nach einer viel zitierten Meta-Analyse lässt sich bei Hypertonikern der Blutdruck um 7/4 mm Hg senken (Journal of Human Hypertension 2002; 16: 761-770).

Dass dadurch Herzinfarkten und Schlaganfällen vorgebeugt wird, ist zwar nie in randomisierten klinischen Studien untersucht worden, es gilt aber als sehr wahrscheinlich, da die Hypertonie ein etablierter Risikofaktor ist.

Meta-Analytiker schätzten kürzlich im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 339: b4567), dass die Reduktion des Kochsalzkonsums um 5 Gramm am Tag die Zahl der Schlaganfälle um 23 Prozent und die Zahl aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 17 Prozent reduzieren könnte.

Die Epidemiologin Kirsten Bibbins-Domingo von der Universität San Francisco kommt jetzt auf eine Reduktion der Herzerkrankungen um 11 Prozent, der Herzinfarkte um 13 Prozent, der Schlaganfälle um 8 Prozent und der Todesfälle um 4 Prozent bei einer Reduktion des Salzkonsums um nur 3 Gramm pro Tag, die als realistischer gilt als eine Reduktion um 5 Gramm.

Da das meiste Salz in Brot, Fertigprodukten und Fastfood enthalten ist, wäre nur eine gesetzliche Regelung (oder eine Selbstverpflichtung der Industrie) in der Lage, den Salzkonsum zu senken. Ansätze dazu wurden in Großbritannien, Finnland und Irland gemacht. Ob sie aber bei den salzverliebten US-Amerikanern eine Chance hat, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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