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Vermischtes

Experten wollen Idiotentest verbessern

Mittwoch, 27. Januar 2010

Goslar – Bei der landläufig als „Idiotentest“ bekannten Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) für Verkehrssünder sehen Experten Änderungsbedarf. Im Fokus steht dabei das Gespräch mit einem Psychologen, das im Zusammenspiel mit anderen Tests die Fahreignung ermitteln soll.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sprach sich für eine Überarbeitung der Untersuchung aus. Grundsätzlich habe sie ihren Sinn und zu Recht eine abschreckende Wirkung, sagte der Minister. Allerdings müssten die Gutachten nachvollziehbar sein.

Einig sind sich die Experten darüber, dass es „Optimierungsmöglichkeiten“ gibt. Über das Wie gehen die Meinungen jedoch auseinander. Auf dem 48. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar wird das Thema am Donnerstag diskutiert.

Als Referenten nehmen unter anderen der Marburger Psychologieprofessor Lothar Schmidt-Atzert und sein Kölner Kollege Wolfgang Schubert teil, der bei der Dekra in Berlin auch als MPU-Gutacher tätig ist. Beide schätzen den Test „als Maßnahme zur Förderung der Verkehrssicherheit“.

Schmidt-Atzert findet aber, dass die Transparenz des Verfahrens verbessert werden könnte, wenn das Interview mit dem Psychologen – auch Explorationsgespräch genannt – auf Video aufgezeichnet würde. Einige der Kandidaten des „Idiotentests“ fühlten sich bei einem negativen Gutachten ungerecht behandelt oder falsch wiedergegeben.

Ergebnisse könnten grundsätzlich durch Faktoren wie die Sympathie für den Gesprächspartner beeinflusst werden, sagte der Psychologe. Er halte es deswegen für sinnvoll, die Gespräche auf Video aufzuzeichnen. „Damit kann bei einer Beschwerde direkt nachgeprüft werden, wie das Gespräch wirklich verlaufen ist.“

Grundsätzlich sei das Interview schon eine geeignete Methode, um bestimmte Verhaltensweisen zu ermitteln, zum Beispiel, ob jemand seinen Alkoholkonsum im Griff hat. „Damit aber alle gleich behandelt werden, müsste der Gesprächsablauf sehr stark standardisiert werden“, erklärte Schmidt-Atzert.

Dann bestehe allerdings die Gefahr, dass die notwendigerweise immer gleichen Fragen bekannt würden und die Klienten sich gezielt darauf vorbereiten könnten. „Wenn der Spielraum in der Gestaltung der Befragung genutzt wird, stellt die Videoaufzeichnung eine sinnvollere Maßnahme dar, die Auswertung zu objektivieren“, sagte Schmidt-Atzert.

Schubert ist da anderer Ansicht. Er sieht in dem Einsatz von Videoaufzeichnungen eher eine Gefahr und begründet seine Bedenken unter anderem damit, dass in einem solchen Interview auch Dinge zur Sprache kommen können, die der Kandidat unter Umständen nicht bildtechnisch dokumentiert wissen möchte. „Auch im Sinne des Persönlichkeitsschutzes sollte man es den Klienten freistellen, ob sie eine Aufzeichnung wünschen oder nicht – man sollte aber keine Pflicht einführen“, sagte er.

„Dagegen spricht außerdem, dass es keine wissenschaftlichen Kriterien gibt, wie ein solches Video ausgewertet werden sollte“, fügte Schubert hinzu. Die Schwierigkeit der Interpretation bleibe somit weiterhin bestehen, einen Gewinn an Objektivität könne er demzufolge auch nicht erkennen. 

 

Sinnvoller wäre nach Schuberts Ansicht, schon vor der MPU tätig zu werden: „Im Fall von Alkohol am Steuer könnte der betreffende Fahrer zum Beispiel nach seinem Vergehen zeitnah eine Empfehlung für eine Beratung beziehungsweise Behandlung bekommen.“ © ddp/aerzteblatt.de

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