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Medizin

Fischöl beugt Psychosen vor

Dienstag, 2. Februar 2010

Wien – Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren haben möglicherweise eine vorbeugende Wirkung gegen die Schizophrenie. In einer randomisierten Studie in den Archives of General Psychiatry (2010; 67: 146-154) wurde in einer Hoch-Risiko-Gruppe das Risiko einer manifesten Psychose deutlich vermindert.

Omega-3-Fettsäuren sind Bausteine für Zellmembranen, deren Eigenschaften sie verändern. Im Gehirn sollen die ungesättigten Fettsäuren die Freisetzung von Neurotransmittern beeinflussen, die an der Pathogenese der Schizophrenie beteiligt sind.

Dies hat in der Vergangenheit mehrere randomisierte Therapiestudien veranlasst, die allerdings nach Einschätzung der Cochrane Collaboration bei der manifesten Schizophrenie keine sichere Wirkung erzielten (Cochrane Database Syst Rev 2006; 3: CD001257).

Bei Personen mit einer bevorstehenden Psychose könnten die Fischöl-Kapseln jedoch wirksam sein. An der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien wurden 81 Patienten im Alter von 13 bis 25 Jahren über 12 Wochen auf die tägliche Einnahme von 4 Fischölkapseln (insgesamt 700 mg Eicosapentaensäure, 480 mg Docosahexaensäure plus 7,6 mg Vitamin E) oder Placebo randomisiert.

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Die Teilnehmer hatten ein sehr hohes Risiko von schätzungsweise 40 Prozent, innerhalb der nächsten 12 Monate an einer Schizophrenie zu erkranken, weil sie bereits unter milden psychotischen Symptomen litten oder eine transiente Psychose erlebt hatten oder weil eine positive Familienanamnese mit aktuellen “Funktionsstörungen” der Patienten vergesellschaftet war.

Im Placebo-Arm erfüllte sich die Prognose bei jedem vierten Patienten: 11 Patienten (27,5 Prozent) waren nach dem Ablauf der Studie an einer manifesten Psychose erkrankt, wie Paul Amminger, Wien, und Mitarbeiter aus Australien und der Schweiz berichten. Dagegen erkrankten nur 2 Teilnehmer (4,5 Prozent), denen die Forscher die Fischöl-Kapseln-Kapsel verordnet hatten, an einer Psychose.

Dies ergibt eine äußerst günstige Number needed to treat von nur vier Patienten, die behandelt werden müssen, um einen Ausbruch der Psychose zu verhindern. Die Größenordnung liegt in dem Bereich, der durch die präventive medikamentöse Therapie erzielt wird, berichten die Autoren, wobei sich die Fischöl-Kapseln als eine nebenwirkungsarme und „natürliche“ Alternative zu den Antipsychotika erweisen könnten.

Erstaunlich ist sicherlich auch, dass die präventive Wirkung auch nach dem Ende der Therapie, die nur über 12 Wochen erfolgte, Bestand hatte. Auch wenn die geringe Teilnehmerzahl einer monozentrischen Studie für eine definitive Empfehlung nicht ausreichen mag, so legen die Ergebnisse nach Ansicht der Autoren doch die Prüfung in weiteren Studien nahe. © rme/aerzteblatt.de

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