NewsMedizinMigräne als Herz-Kreis­lauf-Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Migräne als Herz-Kreis­lauf-Risiko

Donnerstag, 11. Februar 2010

New York – Erst kürzlich hatte eine Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt gezeigt, dass Migräne-Patienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Eine Fall-Kontrollstudie in Neurology (2010; doi: 10.1212/WNL.0b013e3181d0cc8b) kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass die Patienten auch häufiger als andere an einem Herzinfarkt erkranken. Viele Patienten haben zudem vermehrt kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Im Rahmen der American Migraine Prevalence and Prevention Study waren 6.102 Migräne-Patienten nach weiteren Krankheiten befragt worden. Immerhin 4,1 Prozent gaben an, schon einmal einen Herzinfarkt erlitten zu haben, während es in einer Vergleichsgruppe nur 1,9 Prozent waren.

Selbst nach Berücksichtigung anderer Faktoren ergibt dies ein mehr als zweifach erhöhtes Herzinfarktrisiko (Odds Ratio OR 2,2; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,7-2,8), wie die Gruppe um Richard Lipton vom Albert Einstein College of Medicine in New York berichtet. Migränepatienten mit Aura hatten sogar dreimal häufiger einen Herzinfarkt erlitten.

Auch Schlaganfälle (OR 1,5; 1,2-2,1) und eine Claudicatio intermittens (OR 2,69; 1,98-3,23) waren mit der Migräne assoziiert. Ebenso eine Reihe von kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie (OR 1,4; 1,3-1,6) und hohe Cholesterinwerte (OR 1,4; 1,3-1,5). Bei Migränepatienten wird auch häufiger ein Diabetes mellitus diagnostiziert (OR 1,4: 1,2-1,6).
 

Anzeige

Diese Befunde stärken die vaskuläre Hypothese der Migräne. Sie vermutet die Ursache in einer gestörten Funktion des Endothels der Hirngefäße, deren Dilatation die Schmerzen auslöst. Eine endotheliale Dysfunktion ist auch die Ursache der Atherosklerose, die der gemeinsame Nenner von Schlaganfall, Herzinfarkt und anderen kardiovaskulären Erkrankungen ist.

Im Unterschied zu diesen ist die Migräne eine Erkrankung jüngerer Menschen. Das absolute Risiko, ein schweres Herzkreislaufereignis zu erleiden, ist für Migränepatienten deshalb gering. Der Kopfschmerz könnte allerdings ein Warnsignal sein, das den Patienten frühzeitig ein erhöhtes Gefährdungspotenzial anzeigt, betont Lipton.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. November 2018
Berlin – Zur Prophylaxe der Migräne steht eine neue Substanzklasse zur Verfügung. CGRP-Antikörper sind Wirkstoffe, die Migräneanfällen spezifisch vorbeugen. „Die Erwartungen sind hoch, doch einige
Wie Neurologen die neue Migräneprophylaxe mit CGRP-Antikörpern bewerten
4. Oktober 2018
Mannheim – Auf eine neue Option zur Verringerung von Migräneattacken haben die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Schmerzgesellschaft hingewiesen. Bei den neu
Antikörper-Injektion gegen Migräneattacken in Deutschland bald verfügbar
21. August 2018
Berlin – Mithilfe einer App konnten Patienten mit Migräne oder chronischen Kopfschmerzen ihre Schmerztage deutlich reduzieren. Gleichzeitig nahmen sie auch weniger Medikamente ein. Das zeigt eine
Migräne-App der TK könnte Kopfschmerztage um 25 Prozent reduzieren
20. August 2018
Berlin – Migräne befindet sich bei jungen Männern auf dem Vormarsch. 2016 erhielten rund 5.000 bei der KKV versicherte Männer zwischen 15 und 29 Jahren diese Diagnose, wie die KKH Kaufmännische
Migräne bei jungen Männern auf dem Vormarsch
4. Juni 2018
London – Der monoklonale Antikörper Erenumab, der in 2 Studien die Zahl der Schmerzattacken bei Patienten mit episodischer und chronischer Migräne senken konnte, hat nach der Zulassung durch die
Migräne: Erster CGRP-Antikörper zur Behandlung der Anfallsprävention vor der Zulassung
7. Mai 2018
Helsinki – Die hohe Erblichkeit der Migräne lässt sich bisher nur in wenigen Fällen auf einzelne Gene zurückführen. Ein polygener Risikoscore, der die in den letzten Jahren entdeckten Risikogene
Migräne: „Kälte-Gen“ macht Europäer anfälliger
30. April 2018
Berlin – Neue Empfehlungen für die Therapie der Migräneattacke und die Prophylaxe der Migräne haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER