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Medizin

Hilft Botox gegen “implodierende” Migräne?

Dienstag, 16. Februar 2010

Boston – US-Dermatologen berichten in den Archives of Dermatology (2010; 146: 159-163) über eine deutliche Reduktion der Kopfschmerzhäufigkeit bei Migränepatienten, die sich einer kosmetischen Botox-Behandlung zur Faltenreduktion im Bereich der Augen unterzogen hatten. Die prophylaktische Wirkung war allerdings auf Patienten mit “implodierenden” oder “okulären” Schmerzen beschränkt.

Es hat in der Vergangenheit immer wieder Berichte über Patienten gegeben, bei denen die Injektionen von Botulinumtoxin in einzelne Muskeln der Gesichtsmimik im Nebeneffekt die Migräne beseitigte. Ein Beleg in einer randomisierten klinischen Studie konnte allerdings nicht erbracht werden.

Jetzt glauben Harvard-Mediziner eine Untergruppe gefunden zu haben, bei denen die kosmetischen Injektionen Migräneattacken vorbeugen können. Dies sind nach Ansicht des Anästhesisten Rami Burstein vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston jene Patienten, die die Schmerzen wie eine Schraubzwinge am Kopf oder wie Nagelschläge auf den Kopf beschreiben (“implodierender” Kopfschmerz), oder bei denen sich der Schmerz anfühlt, als wollten die Augen aus den Höhlen dringen oder als ob jemand einen Finger in die Augenhöhle stecke (“okulärer” Kopfschmerz). Diese beiden Form setzt Burstein den “explodierenden” Kopfschmerzen gegenüber, die sich anfühlen, als drohe der Schädel zu bersten, weil der Druck immer höher wird.
 

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Burstein hat die Dermatologin Christine Kim gebeten, eine detaillierte Schmerzanamnese bei allen Patienten zu erheben, die sich zur Beseitigung von Falten im oberen Gesichtsbereich (Glabella, Stirn, periorbitale Region) behandeln ließen.

Sie ermittelte 18 Migräneure (neben 17 Frauen auch ein Mann). Bei 13 besserte sich die Migräne nach der Botox-Behandlung. Die übrigen Patienten ohne Besserung hatten alle über “explodierende” Schmerzen berichtet. Eine Wirkung trat nur bei Patienten mit “implodierenden” oder “okulären” Schmerzen auf. Hier ging die Häufigkeit der Schmerzattacken von 7,1 auf 0,6 Tage pro Monat zurück.

Das sind sicherlich beeindruckende Ergebnisse. Die kleine Fallserie an einer Praxis kann allerdings nicht die Durchführung einer randomisierten Studie ersetzen, zumal kontrollierte Studien, wenn auch ohne die Selektion nach Burstein, niemals eine Wirkung belegen konnten, wie die Autoren einräumen.

© rme/aerzteblatt.de

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