NewsPolitikPharmaindustrie: Fortschritt gibt es nicht zum Nulltarif
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Pharmaindustrie: Fortschritt gibt es nicht zum Nulltarif

Donnerstag, 18. Februar 2010

Berlin – Die Pharmaindustrie wehrt sich gegen noch mehr staatlich verordnete Beschränkungen. Einen medizinischen Fortschritt gebe es „nicht zum Nulltarif“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie, Bernd Wegener, am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“.

Er reagierte damit auf Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), die Branche notfalls zu Einsparungen gesetzlich zwingen zu wollen. Wegener wies darauf hin, dass die Verwaltungskosten der Krankenkassen nur wenig niedriger seien als die Arzneimittelausgaben.

Der Verbandschef kündigte zugleich an, dass die Branche beim Spitzentreffen mit dem Minister ein Angebot zur künftigen Preisgestaltung von neuen Arzneimitteln vorlegen wolle. In einem Zeitraum von fünf Jahren nach Zulassung wolle die Pharmaindustrie Studien zum Nutzen der neuen Medikamente durchführen und gleichzeitig mit den gesetzlichen Krankenkassen in Verhandlungen über den Preis eintreten. Sollte in diesem Zeitraum keine Einigung zustande kommen, dann könnte anschließend ein noch zu bestimmendes Gremium das Recht erhalten, den Preis zu vereinbaren.

Wegener wies den Vorwurf zurück, die Pharmafirmen nutzten gerade bei neuen Medikamenten ihre Stellung als Monopolist aus. „Wir haben in den letzten Jahren schon konstruktiv gehandelt“, sagte der Verbandschef auch unter Verweis auf rund 20 Kostendämpfungsgesetze in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Im Übrigen sollte nicht verschwiegen werden, dass sich zum einen bei 70 Prozent der Verordnungen die deutschen Arzneimittelpreise im niedrigsten Preissegment in Europa bewegten.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat sich im Gespräch mit Minister Rösler für Direktverträge zwischen Arzneimittelherstellern und Kassen für alle patentgeschützten Arzneimittel ausgesprochen. Werden durch solche Verträge für ein Medikament innerhalb von zwei Jahren mindestens 50 Prozent des Marktes abgedeckt, entfällt nach dem vfa-Konzept die Kosten-Nutzen-Bewertung.

Dabei geht es dem Verband nach den Worten eines Sprechers nicht um reine Rabatt-, sondern um „Mehrwertverträge“, bei denen die Frage der Erstattung beispielsweise an die Wirkung des Präparats oder dessen Beitrag zur Versorgungsqualität geknüpft ist. Nur wer nicht verhandele, müsse sich der Kosten-Nutzen-Bewertung mit Festsetzung eines Höchstbetrags für die Erstattung stellen, erklärte der vfa-Vorsitzende Wolfgang Plischke.

Rösler forderte die Pharmaindustrie erneut auf, ihren Beitrag zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen zu leisten. Die Preise für innovative Medikamente seien in Deutschland besonders hoch, erklärte der Minister am Donnerstag nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der Pharma-Industrie in Berlin. Patienten müssten „auch künftig” Zugang zu diesen Arzneimitteln haben. Dafür müssten diese „bezahlbar bleiben”.

„Niemand hat einen Freibrief, wenn es um die Ausgaben in der Gesetzlichen Krankenversicherungen geht", erklärte Rösler. In den kommenden Wochen werde er ein "Konzept mit Maßnahmen zur Arzneimittelpreisbildung" vorlegen.

Dabei würden sowohl Vertragsverhandlungen zwischen Krankenkassen und Arzneimittel-Herstellern als auch die Kosten-Nutzen-Bewertung eine wichtige Rolle spielen. Rösler fügte hinzu, die Vertreter der Kassen und der Pharmaindustrie hätten „die Zeichen der Zeit erkannt”, so dass die Verhandlungen „auf einem guten Weg” seien.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, forderte gesetzliche Festpreise auch für neue Medikamente. „Wenn es nicht gelingt, mit der Arzneimittelindustrie eine Vereinbarung über wesentlich niedrigere Arzneimittelpreise zu schließen, dann brauchen wir eine gesetzliche Lösung”, sagte Hoppe der „Rheinischen Post” vom Freitag.

Das Modell der Festpreise habe sich bewährt. In Deutschland würden für neue Arzneien weltweit die höchsten Preise bezahlt, sagte Hoppe. „Aber nicht jedes teure sogenannte innovative Medikament bringt auch wirklich einen Nutzen für die Patienten.” © ddp/afp/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
Avatar #98355
promisit
am Freitag, 19. Februar 2010, 08:52

Drohgebärden

Es wird höchste Zeit, die teuren Sünden (Medikamente) der Vergangenheit zu vermeiden. Doch ist zu befürchten, dass der Berg kreißt und wieder eine Maus gebärt.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER