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Medizin

Magnetstimulation lindert Migräneattacke

Donnerstag, 4. März 2010

New York – Einzelne magnetische Impulse, die von einem kleinen Gerät an den Nackenbereich abgegeben werden, haben in einer Doppelblindstudie in Lancet Neurology (2010; doi: 10.1016/S1474- 4422(10)70054-5) einige Migränepatienten mit Aura innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei gemacht. Die Studie bestätigt gegenwärtige Krankheitskonzepte.

Die Aura, die bei einigen Migränepatienten dem Schmerz vorausgeht, wird heute mit einer “kortikalen Streudepolarisierung” (Cortical Spreading Depression) in Verbindung gebracht. Von einem Punkt aus sollen sich die Hirnströme über die Hemisphäre ausbreiten – was auch den einseitigen Kopfschmerz erklären würde.

Eine kurze transkranielle Magnetstimulation (single-pulse transcranial magnetic stimulation, sTMS) könnte dies verhindern, glaubt der Hersteller eines kleinen 32,5 cm langen und 1,54 kg schweren elektrischen Gerätes.

Die Patienten sollen es nach dem Beginn der Aura unterhalb des Os occipitale an den Schädel pressen und den Startknopf drücken. Das Gerät erzeugt dann für die Dauer von weniger als 1 Millisekunde ein 0,9 Tesla (in 1 cm Entfernung) starkes Magnetfeld, welches, so die Theorie, die kortikale Streudepolarisierung unterbricht und im besten Fall die Migräneattacke im Keim erstickt.

Ob das Gerät tatsächlich die erhoffte Wirkung erbringt, wurde in einer randomisierten Studie an 201 Patienten untersucht. Alle litten an einer Migräne mit Aura, die ein bis achtmal pro Monat auftrat, und bei allen kam es danach in neun von zehn Fällen zu einer Kopfschmerzattacke.
 

Die Teilnehmer wurden instruiert, das Gerät nach dem Einsetzen der Aura anzuwenden. Jeder zweite Patient hatte allerdings ein „Scheingerät“ erhalten, das kein Magnetfeld induziert. Dies wurde den Patienten (und den ausgebenden Ärzten) verschwiegen. Eine spätere Befragung ergab, dass die Patienten auch nicht erraten hatten, ob ihr Gerät funktionierte oder nicht. Damit waren die Bedingungen einer Doppelblindstudie erfüllt.

Endpunkt der Studie von Richard Lipton, Albert Einstein College of Medicine, New York, und Mitarbeitern in 18 US-Zentren war die Schmerzfreiheit nach 2 Stunden. Sie wurde mit dem echten Gerät von 39 Prozent der Patienten und mit dem falschen Gerät von 22 Prozent der Anwendungen erreicht.

Von dem Gerät sind also keine Wunder zu erwarten, doch der therapeutische Gewinn von 17 Prozent war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3 bis 31 Prozent signifikant.

Auch hinsichtlich der Begleitsymptome wie Nausea, Photophobie und Phonophobie war das Gerät der Scheintherapie nicht unterlegen, und da es keine schweren Nebenwirkungen erzeugt, dürften die Chancen auf eine Zulassung durch FDA und EMEA gut sein.

Auch der Editorialist Hans-Christoph Diener von der Universität Essen hat einen positiven Eindruck (Lancet Neurology 2010; doi: 10.1016/S1474- 4422(10)70063-6). Da nicht alle Patienten mit Medikamenten (Triptane) eine überzeugende Schmerzstillung erzielen, andere die Medikamente aufgrund von Kontraindikationen nicht verwenden dürfen, bestehe durchaus Bedarf an einer nicht medikamentösen Therapie der akuten Migräneattacke. Sie müsse sich jedoch nicht nur in der Wirksamkeit, sondern auch im Preis mit den derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten messen können, mahnt Diener.

© rme/aerzteblatt.de

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