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Medizin

Fast-Food-Steuer gegen Adipositas

Dienstag, 9. März 2010

Chapel Hill/North Carolina – Fallende Preise für Softdrinks und Pizza haben in den USA den Konsum dieser Fast-Food-Produkte enorm gesteigert. Eine künstliche Verteuerung, etwa durch eine gezielte Steuer, könnte einer Studie in den Archives of Internal Medicine (2010; 170: 420-42) zufolge, die Ernährungsgewohnheiten verbessern und einen sinnvollen Beitrag gegen die ausufernde Adipositas-Epidemie leisten.

Der Preis für Softdrinks hat sich in den USA in den letzten 20 Jahren – inflationsbereinigt – halbiert. Auch für Pizza (tiefgekühlt oder im Imbiss) müssen die US-Amerikaner weniger ausgeben, während der Preis für Vollmilch und Burger gestiegen sind.

Dies hatte Auswirkungen auf die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer der „Coronary Artery Risk Development in Young Adults“ oder CARDIA-Studie, die seit Mitte der 80er-Jahre dreimal ausführliche Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten ausgefüllt haben. In der Studie wurden auch Körpergröße und -gewicht gemessen, und aus der Konzentrationen von Glukose und Insulin im Blut die Insulinsensitivität bestimmt.

Kiyah Duffey von der Universität von North Carolina in Chapel Hill hat die Daten mit den Lebenshaltungskosten in Beziehung gesetzt und die „Preis-Elastizität“ bestimmt. Das ist der Einfluss, den der Preis auf die Zusammensetzung der Nahrung hat. Die Daten zeigen: Je billiger der Fast-Food wird, desto mehr wird davon gegessen, desto dicker sind die Menschen und desto ausgeprägter ist die Insulinresistenz.
 

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Umgekehrt bedeutet dies, dass eine Steuer auf diese Nahrungsmittel (oder der Verzicht auf Subventionen für schädliche Nahrungsmittel, in den USA beispielsweise Mais, Ausgangsmaterial des “Corn Syrup”) die Ernährungsgewohnheiten wieder verbessern könnte. Das sind zugegeben sehr spekulative Berechnungen, die in der Studie folgendes ergaben:

Würde der Preis für Softdrinks um 10 Prozent steigen (das wären derzeit 20 US-Cent für die Literflasche) könnte dies die Kalorienzufuhr um 7 Prozent senken. Eine entsprechende Verteuerung der Pizza würde die Kalorienzufuhr sogar um 11,5 Prozent senken. Jeder US-Dollar Mehrkosten für Softdrinks würde täglich 124 Kilokalorien sparen und das Körpergewicht um 2,34 Pfund senken.

Der HOMA-IR-Score, ein Maß für die Insulinresistenz, würde um 0,42 Punkte sinken. Die gleichzeitige Verteuerung von Pizza würde diesen Effekt bei Kalorienaufnahme und Körpergewicht noch verstärken. Eine 18-prozentige Steuer auf Fastfood könnte langfristig die US-Amerikaner um 5 Pfund pro Person und Jahr verschlanken, schätzt Duffey.

Schon jetzt gibt es in 34 von 39 US-Staaten eine sogenannte Soda-Steuer. Sie beträgt zwischen 3 und 4 Prozent. Sie hat aber den Preisverfall dieser Produkte nicht aufhalten können, berichtet Mitchell Katz vom San Francisco Department of Public Health im Editorial (Arch Intern Med 2010; 170: 405-406).

Er würde deshalb eine deutlich höhere Steuer begrüßen, auch wenn sie vor allem ärmere Bevölkerungsteile träfe. Diese ernähren sich in einem so hohen Maße von Fast-Food, dass Ernährungswissenschaftler bereits einige Stadtteile zu Nahrungswüsten (Food deserts) erklärt haben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #101048
Manuela Marin
am Mittwoch, 10. März 2010, 11:49

Fast Food Steuer allein kann nicht erfolgreich sein

Den Konsum von Nahrungsmitteln und Getränken durch Steuern in de gewünschte Richtung zu lenken, erscheint mir schwierig. Das sieht man ja bei Alkohol und Zigaretten, dass es nicht funktioniert. Wichtig bleibt aus meiner Sicht als Ernärhungswissenschaftlerin die aufklärerische Arbeit bzw. das frühe Erlernen gesunder Ernährungsgewohnheiten von Geburt an. Auch eine Tiefkühlpizza kann in einem ausgewogenen Speiseplan vorkommen, v.a. wenn man den richtigen Belag z.B. mit Gemüse auswählt, die Portionsgröße anpasst und mit frishcen Zutaten wie einem Salat oder einem Stück Obst als Nachtisch ergänzt.
LNS

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