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Medizin

Grippeimpfung von Kindern erzeugt Herdimmunität

Mittwoch, 10. März 2010

dpa

Hamilton/Ontario – Die Impfung von Kindern kann auch ältere nicht-geimpfte Menschen vor einer Grippe schützen. Diese Herdenimmunität wird jetzt erstmals in einer randomisierten klinischen Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 303: 943-950) belegt.

Die Studie wurde bei Hutterern durchgeführt. Diese christliche Religionsgemeinschaft lebt heute zu zwei Dritteln im westlichen Kanada. Ihre Siedlungen, die sogenannten Bruderhöfe, befinden sich in ländlichen Regionen. Dort ernähren sich jeweils 60 bis 120 Personen von der Landwirtschaft.

Sie teilen Haus und Hof und nehmen die Mahlzeiten gemeinsam ein. Das enge Zusammenleben und die Isolation gegenüber der Außenwelt machen die Gemeinden zu idealen Kandidaten, um den Einfluss der Herdimmunität bei der Grippeimpfung zu untersuchen.

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Zur Herdimmunität kommt es, wenn die gezielte Impfung der Menschen, die sich bei einer Epidemie zuerst infizieren, die Ausbreitung der Erreger in einer Gemeinschaft verhindert und dadurch krankheitsanfällige Personen auch ohne Impfung geschützt sind.

Bei der Influenza sind die Kinder zu Beginn der Epidemie die wichtigsten Vektoren. Sie erkranken selten schwer, können die Viren aber auf ältere Menschen übertragen, bei denen die Impfung wegen des alternden Immunsystems nur eine begrenzte Schutzwirkung entfaltet. Einige Experten fordern deshalb, nicht die alten Menschen, sondern die Kinder zu impfen.

Mark Loeb von der McMaster University in Ontario und Mitarbeiter gelang es 49 Hutterer-Gemeinden für seine Studie zu gewinnen. Dies könnte dadurch erleichtert worden sein, dass die Hutterer im Gegensatz beispielsweise zu den Amischen den technischen Fortschritt nicht radikal ablehnen.

Fernsehen und Radio sind zwar verpönt. Traktoren sind aber willkommen, und die Leistungen des staatlichen Gesundheitsdienstes werden in Anspruch genommen. Loeb konnte 46 Siedlungen auf zwei Gruppen randomisieren: 502 Kinder aus 22 Siedlungen im Alter von 36 Monaten bis 15 Jahren wurden in der Saison 2008/9 gegen Grippe geimpft. In 24 anderen Siedlungen erhielten 445 Kinder eine Hepatitis-A-Impfung (Kontrollgruppe). Die Impfrate war hoch: 83 Prozent der Kinder wurden gegen Grippe, 79 Prozent gegen Hepatitis A geimpft.

Endpunkt der Studie war der RNA-Nachweis von Influenza-Viren in den Abstrichen bei nicht-geimpften Mitgliedern mit respiratorischen Infekten. In den Gemeinden mit Grippeimpfung der Kinder erkrankten 39 von 1271 nicht-geimpften Personen (3,1 Prozent). In der Kontrollgruppe erkrankten 80 von 1055 nicht-geimpften Personen (7,6 Prozent). Das ergibt eine protektive Wirkung von 61 Prozent, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 8-83 Prozent die Wirksamkeit der Herdimmunität belegt.

Insgesamt erkrankten 80 der 1773 Bewohner (4,5 Prozent) in den Gemeinden mit Grippe-Impfung gegenüber 159 von 1500 Bewohnern (10,6 Prozent) in der Kontrollgruppe. Die protektive Wirkung beträgt 59 Prozent (5-82 Prozent). Schwere Impfkomplikationen wurden der Publikation zufolge nicht beobachtet.

Es ist erst die zweite Studie dieser Art. Im Jahr 1968 waren in der Kleinstadt Tecumseh im US-Staat Michigan über 85 Prozent der Schüler gegen die aufkommende asiatische Grippe geimpft worden. Die Zahl der Grippe-Erkrankungen soll daraufhin um zwei Drittel geringer gewesen sein als in der Nachbargemeinde Adrian.

Dies teilte der damalige Studienleiter Arnold Monto von der Michigan School of Public Health der New York Times mit. Der Berichterstatter dieser Meldung konnte diese Zahl in der Kürze der Zeit in Medline nicht verifizieren. © rme/aerzteblatt.de

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