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Ärzteschaft

MB-Papier widerlegt Behauptungen kommunaler Arbeitgeber

Donnerstag, 18. März 2010

Berlin – Der Marburger Bund (MB) wirft dem Verband kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) gezielte Fehlinformation vor. „In der Tarifrunde 2010 für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern operiert die Arbeitgeberseite mit falschen Behauptungen“, so der MB. Mit einem Argumentepapier will die Ärztegewerkschaft nun „mit den Zahlenspielereien und irreführenden Darstellungen der VKA aufräumen.“

Besonders die Behauptung, in den nächtlichen Bereitschaftsdiensten werde mehr geschlafen als gearbeitet, sorge bei den Medizinern für Unmut. „Mit solchen Parolen treibt man die Ärzte auf die Straße“, warnt der MB. Fakt sei, dass die Bereitschaftsdienste von den Kliniken zunehmend als Ersatz für Vollarbeit missbraucht würden.

„Immer häufiger werden Routinetätigkeiten und auch Operationen in die Zeit des Bereitschaftsdienstes geschoben, um Kosten zu sparen“, verweist die Gewerkschaft. Leidtragende seien die Ärzte, die auf unterbesetzten Stationen arbeiten und häufig mehr Bereitschaftsdienste leisten, als das Arbeitszeitgesetz erlaube.

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Avatar #90862
Privatpatient
am Freitag, 19. März 2010, 10:07

"Fakten statt Märchen"




Noch ein Zitat aus dem Argumentepapier des MB "Fakten statt Märchen":
__________________________________________________________
[QUOTE]
Fakten statt Märchen

Marburger Bund widerlegt Behauptungen der kommunalen Arbeitgeber

In der Tarifrunde 2010 für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern operiert die Arbeitgeberseite mit falschen Behauptungen. Der Marburger Bund widerlegt dieZahlenspielereien und irreführenden Darstellungen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA).[....]

Die VKA behauptet:
„Noch nie waren in Deutschland so viele Krankenhausärzte tätig wie jetzt.“

Fakt ist:
Die Zahl der Ärzte an öffentlichen Kliniken stagniert seit Jahren – trotz der steigenden Zahl von Behandlungsfällen. Bundesweit können 5000 Arztstellen in den Krankenhäusern nicht besetzt werden, weil die schlechten Arbeitsbedingungen junge Ärzte abschrecken und den Rückzug aus der kurativen Medizin provozieren. Dieser Ärztemangel ist hausgemacht:[.....][/QUOTE]
__________________________________________________________
http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/Tarifrunde_2010/MB-Argumente.pdf

Da spricht also der MB von "falschen Behauptungen", "Zahlenspielereinen" und "irreführenden Darstellungen" der Arbeitgeberseite, speziell der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (VKA).

Eine dieser "falschen Behauptungen" sei die vom MB der Arbeitgeberseite zugeschriebene Aussage, in Deutschland seien noch nie so viele Krankenhausärzte wie jetzt tätig gewesen.

Sowohl die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (Link: siehe meinen Kommentar von heute Nacht), als auch die Zahlen der Bundesärztekammer bestätigen allerdings die angeblich "falsche Behauptung" der VKA.

[QUOTE=Bundesärztekammer] Die Zahl der Krankenhausärztinnen und -ärzte stieg – zum dritten Mal in Folge – recht deutlich um 2,1 % (absolut: 3.155). [...][/QUOTE]

Den Vorwurf der "Zahlenspielereien" und "irreführenden Darstellungen" würde ich daher in diesem Fall nicht der VKA, sonden dem MB machen.

Die der VKA vom MB zugeschriebene Behauptung bezieht sich auf in Deutschland tätige Krankenhausärzte OHNE eine Beschränkung auf eine bestimmte Gruppe von Krankenhausärzten.

Laut BfS gab es im Jahr 2008 139294 an Krankenhäusern angestellte Ärzte; auf Vollzeitstellen umgerechnet wären es 128117 gewesen.

Laut BAEK gab es zum 31.12.2008 153 799 "stationär tätige Ärztinnen/Ärzte".
http://www.baek.de/downloads/Stat08Tabelle07.pdf

[Darunter waren 69 663 "Ärzte ohne Gebietsbezeichnung" (also vorwiegend Assistenzärzte in Weiterbildung zum Facharzt) 84 135 "Ärzte mit Gebietsbezeichnung" (Ärzte bestimmter Fachrichtungen) und 41 Ärzte mit "sonstigen Gebietsbezeichnungen".
(" Biophysik, Geschichte der Medizin, Immunologie, Kieferchirurgie, Medizinische Genetik, Medizinische Informatik, Medizinische Physik und Biophysik, Pathologische Biochemie, Sozialhygiene, Sportmedizin und nichtzuordenbare Bezeichnungen.")]

Die Differenz zwischen der Anzahl an stationär tätigen Ärzten laut BAEK (ca. 153 000) und der Anzahl der an Krankenhäusern angestellten Ärzte laut BfS (ca. 139 000) lässt imho damit erklären, dass in der Zahl der BAEK auch als angestellte und beamtete Ärzte enthalten sind, die nicht in der direkten Patientenversorgung tätig sind ( zum Beispiel Ärzte an Universitätsinstituten).

Die sehr große Differenz zu der Zahl des MB (ca. 69 000 Ärzte) muss andere Gründe haben. Möglicherweise liegt der Trick in der Formulierung "Ärztliches Personal (umgerechnet in Vollkräfte)
in _allgemeinen_, _öffentlichen_ Krankenhäusern". Wie definiert der MB unter "allgemeine, öffentliche" Krankenhäuser? Meint er damit Krankenhäuser in unmittelbarer öffentlicher Trägerschaft, also solche, die der VKA oder der TdL angeschlossen sind? Hat er die Ärzte an kirchlichen und privaten Krabkenhäusern weggelassen? Was ist mit kommunalen und landkreiseigenen Häusern, die aus der VKA ausgetreten sind? Was ist mit landeseigenen Kliniken, die bzw. deren Träger nicht (mehr) der TdL angehören?

Jedenfalls empfinde ich die oben zitierte Passage aus dem Argumentepapier des MB als irreführende Darstellung und Zahlenspielerei seitens des MB, denn die angebliche Aussage der VKA, es habe in Deutschland noch nie so viele Krankenhausärzte gegeben, ist laut BfS und BAEK richtig.

Und nochmal: Ich habe beruflich nichts mit dem Gesundheitswesen zu tun, sondern schreibe diesen Kommentar nur als sich an der Nase herumgeführt fühlender Patient.
Avatar #90862
Privatpatient
am Freitag, 19. März 2010, 08:35

@adonis:"Studie"?

@adonis:
Ehrlich gesagt: Ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Was hat die Anzahl an Ärzten mit einer "Studie" zu tun? Das Abzählen von Ärzten, die in Krankenhäusern angestellt sind, dürfte nicht so schwierig sein und sollte sich sogar ohne Statistikkenntnisse bewältigen lassen.
Man könnte die Gesamtzahl an Krankenhausärzten dann lediglich noch nach Krankenhausträgern, nach Fachgebieten, nach Stellung in der Hierarchie, nach Tätigkeiten in der Patientenversorgung oder Forschung, nach fest angestellten Ärzten und Belegärzten, etc..... unterteilen.
Die vom MB dem VKA zugeschriebene Aussage enthält jedoch keine Beschränkungen im o. g. Sinn, also müsste zumindest die Anzahl an fest angestellten Krankenhausärzten genannt werden.

Dort gibt's übrigens die Zahlen der Bundesärztekammer zu den an Krankenhäusern arbeitenden Ärzten, aber wer weiß, vielleicht gilt auch für die Zahlen der Bundesärztekammer: "Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast."

http://www.baek.de/page.asp?his=0.3.7128.7131

Avatar #87250
adonis
am Freitag, 19. März 2010, 07:54

Problem jeder "Studie" und evidence based medicine

Wer hat die Studie und Statistik angefertigt. Beispiele dafür, dass es dann pseudowissenschaftlich zugeht gibt es nun wahrhaft genug. Das gilt auch für die sog. EBM, wo einfach Datenmaterial von Pharmaunternehmen übernommen wird und als ´"wissenschaftlich" verkauft wird.
Avatar #90862
Privatpatient
am Donnerstag, 18. März 2010, 22:09

MB nennt falsche Zahlen


Zitat aus dem in der obigen Meldung verlinkten "Argumentepapier" des Marburger Bunds: http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/vka/Tarifrunde_2010/MB-Argumente.pdf
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
>Die VKA behauptet:
>„Noch nie waren in Deutschland so viele Krankenhausärzte tätig wie jetzt.“

>Fakt ist [laut Marburger Bund]:
>Die Zahl der Ärzte an öffentlichen Kliniken stagniert seit Jahren[....]

>Ärztliches Personal (umgerechnet in Vollkräfte)
in allgemeinen, öffentlichen Krankenhäusern [laut Marburger Bund]:
2003: 67 743
2004: 69 032
2005 : 70 456
2006: 69 674
2007: 69 242
2008: 69 527
>(Quelle: Statistisches Bundesamt)[laut MB]
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Die Zahlen, die der MB mit der Quellenangabe "statistisches Bundesamt" nennt, widersprechen den Angaben des statistischen Bundesamts (BfS): .

Siehe dort:
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/Content100/PersonalKrankenhaeuserJahre,templateId=renderPrint.psml

Zahlen des statistischen Bundesamts zu an Krankenhäusern angestellten Ärzten:

Jahr-----Krankenhausärzte -- umgerechnet in Vollzeitstellen
2003----128 853-----------------------------------114 105
2004----129 817------------------------------------117 681
2005-----131 115-----------------------------------121 610
2006-----133 649------------------------------------123 715
2007-----136 267------------------------------------126 000
2008-----139 294-----------------------------------128 117

Wie jeder des Lesens Kundige hier sieht, widersprechen nicht nur die Zahlen, die der MB unter Berufung auf das BfS nennt, den Zahlen des BfS, sondern auch die Behauptung des MB, die Zahlen stagnierten seit Jahren.
a soll der Bevölkerung anscheinend mal wieder Sand in die Augengestreut werden.

Und nein, ich habe mit der VKA nichts zu tun, sondern bin ein ganz gewöhnlicher Patient, der sich vom MB mal wieder an der Nase herumgeführt fühlt.
LNS

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