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Erste Babyklappe Deutschlands feiert zehnjähriges Jubiläum

Dienstag, 6. April 2010

Hamburg – Vor genau zehn Jahren hat die Jugendhilfeeinrichtung „SterniPark“ mit dem Projekt „Findelbaby“ in Hamburg die bundesweit erste Babyklappe eingeführt. Wenn eine Mutter sich nach der Geburt ihres Kindes dafür entscheidet, ihr Neugeborenes wegzugeben, kann sie das hier anonym tun. Die Initiatoren erhoffen sich damit, die Zahl der Kindstötungen und Aussetzungen zu verringern.

„Meistens werden Kinder, die abgegeben werden, schon ein paar Stunden nach der Geburt in die Babyklappe gelegt. In der Regel ist das Baby noch nicht abgenabelt, was darauf hindeutet, dass die Mutter es selbst zur Welt gebracht hat“, sagt Leila Moysich, stellvertretende Geschäftsführerin von SterniPark.

Anfangs vermuteten die Mitarbeiter von SterniPark, dass Babys hauptsächlich nachts abgegeben würden. Dies stellte sich jedoch als Irrtum heraus. Von den insgesamt 38 abgegebenen Kindern der vergangenen zehn Jahre kamen die meistens tagsüber, oft sogar zu Kita-Zeiten.

Sobald aber ein Baby in der Klappe abgelegt und von der Kamera an der Decke erfasst wird, ruft die Wachdienstfirma den Hintergrunddienst, der aus zwölf SterniPark-Mitarbeitern besteht, an. Dann geht alles ganz schnell. Das Kind wird medizinisch untersucht, gegebenenfalls wird der Nabel abgetrennt, es wird gefüttert und angezogen. Anschließend kommt es für acht Wochen zu Pflegeeltern, die mit SterniPark zusammenarbeiten.

„Unser Ziel ist es natürlich, dass die Mutter sich bei uns meldet“, sagt Moysich. Erfahrungsgemäß wollen rund 30 Prozent der Mütter ihr Kind wieder zurückholen. Dann kommt es für die Mitarbeiter von SterniPark darauf an, herauszufinden, ob es sich um die wahre Mutter des Kindes handelt.

„Wir verfälschen zum Beispiel die Geschichte des Fundes, damit nur die echte Mutter uns die Wahrheit erzählen kann“, sagt Nina Greve, Leiterin der Kita. So würden die Frauen etwa gefragt, was das Kind am Tag der Abgabe anhatte oder wie die beigelegte Decke aussah. Sollte sich die Mutter des Babys im Laufe der Zeit nicht melden, wird das Kind zur Adoption freigegeben.

Die Hamburger Babyklappe fand schnell Nachahmer. Berlin und andere deutsche Großstädte führten Klappen ein und auch im Ausland kam die Idee gut an. „Wir hatten die erste Babyklappe weltweit, dann folgten Österreich, Schweiz und die USA“, sagt Moysich.

Mittlerweile gibt es Babyklappen in zahlreichen anderen Ländern. „Aber noch immer kommen Besuchergruppen, zum Beispiel aus Japan, zu uns, um die Babyklappe zu sehen“, fügt die stellvertretende Geschäftsführerin hinzu.

So erfolgreich das Prinzip der anonymen Abgabe auch sein mag, die Kritik ist seit der Einführung nicht abgeklungen. „Die Zahl der Babyklappen in Deutschland nimmt stetig zu, die Zahl der Kindestötungen hingegen nicht ab“, moniert Michael Heuer, zuständig für Babyklappen und Adoptionen bei der Kinderhilfsorganisation Terre des Hommes.

Eine Medienauswertung der Organisation habe ergeben, dass es „keinen sichtbaren Zusammenhang zwischen Babyklappen und einem Rückgang von Kindstötungen“ gebe. Zudem gebe es keine gesetzliche Grundlage für Babyklappen, und es sei nicht erwiesen, ob eine Frau ihr Kind freiwillig abgebe.

Terre des Hommes geht davon aus, dass es eine Gruppe Frauen gibt, die in Panik handeln und ihr Kind dann im Affekt töten oder aussetzen. Diejenigen Frauen wiederum, die ihr Kind in eine Babyklappe legten, hätten diesen Schritt genau durchdacht.

Sinnvoller wäre daher, sagt Heuer, den Weg, ein Kind zur Adoption freizugeben, zu erleichtern. So würde dem Kind auch das Wissen über die eigene Herkunft erhalten bleiben. Auch sollte es eine kostenlose Telefonhotline für Mütter mit entsprechenden Ängsten und Sorgen geben. © ddp/aerzteblatt.de

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