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Medizin

Adipositas-Chirurgie beugt Gestose vor

Freitag, 16. April 2010

Baltimore – Bei stark adipösen Frauen könnte eine bariatrische Operation vielen Schwangerschaftskomplikationen vorbeugen. Dies jedenfalls lässt eine Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 340: c1662) vermuten.

In den USA ist bereits jede dritte Frau im gebärfähigen Alter adipös (BMI ≥30), bei 6 bis 8 Prozent liegt sogar eine Adipositas permagna (BMI ≥40) vor. Diese Frauen müssen nach einer Schwangerschaft nicht nur häufiger per Kaiserschnitt entbunden werden, die Adipositas ist auch ein etablierter Risikofaktor für eine Gestose und damit auch für perinatale Komplikationen.

Eine Meta-Analyse konstatierte sogar ein, wenn auch nur geringgradig erhöhtes Fehlbildungsrisiko (JAMA 2009; 301: 636-50). Dies alles sollten adipöse Frauen mit einem Kinderwunsch bedenken, findet Wendy Bennett von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore.

Eine bariatrische Operation, deren Kosten US-Versicherer in der Regel erst ab einem BMI ≥40 (oder einem BMI ≥35 und einem zusätzlichen Risiko wie Typ-2-Diabetes mellitus) übernehmen, könnte eine Option sein, um die Prognose einer späteren Schwangerschaft zu verbessert.

Ergebnisse aus randomisierten klinischen Studien hierzu gibt es nicht. Die von Bennett durchgeführte Analyse von Versicherten einer US-Kasse deutet aber auf eine erhebliche protektive Wirkung hin. Unter den Kassenmitgliedern waren bei 585 Frauen eine bariatrische Operation durchgeführt worden. Davon waren 316 Frauen vor ihrer Schwangerschaft, die anderen zu einem späteren Zeitpunkt operiert worden.

Die meisten Frauen hatten sich für einen Magenbypass entschieden, bei der die Speise durch einen verkleinerten Magen und am oberen Teil des Dünndarms vorbei geführt wird, was die Größe der Mahlzeiten und die Resorption im Dünndarm einschränkt.

Die im Durchschnitt zwei Jahre vor der Schwangerschaft durchgeführten Operationen hatten nicht nur den BMI gebessert. Auch die Häufigkeit einer Prä-Eklampsie/Eklampsie war um 80 Prozent niedriger als bei den Frauen, die sich erst nach der Schwangerschaft operieren ließen.
 

Die Rate eines Schwangerschaftshochdrucks war um 84 Prozent niedriger. Bei diesen Zahlen wurden bereits mögliche Verzerrungen ausgeschlossen, die wie das Alter bei der Entbindung, Mehrfachschwangerschaften, das gewählte Operationsverfahren, ein vorbestehender Diabetes mellitus oder die Art der Versicherung ebenfalls das Komplikationsrisiko beeinflussen.

Trotz der beeindruckenden Ergebnisse bleibt die Evidenz einer retrospektiven Kohortenstudie gering. Sie lässt auch offen, welchen Einfluss die Operation auf die Prognose der Kinder hat. Zu bedenken ist ferner, dass es unter den Bedingungen eines vermehrten Nährstoffbedarfs in der Schwangerschaft nach einer ausgedehnten Darmverkürzung zu einer Unterversorgung kommen könnte.

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© rme/aerzteblatt.de

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