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Nächtlicher Fluglärm macht depressiv und herzkrank

Dienstag, 20. April 2010

Berlin – Einen direkten Zusammenhang zwischen Nachtfluglärm und Herz-Kreislauf- sowie psychischen Erkrankungen hat der Epidemiologe und Fluglärm-Mediziner Eberhard Greiser nachgewiesen.

Auf einer Tagung des Umweltbundesamts zu Nachtfluglärm präsentierte der Wissenschaftler am Dienstag in Berlin eine Studie, für die er Krankheitsbilder von mehr als einer Million Menschen im Raum Köln/Bonn auswertete, von denen rund 200.000 Personen von Fluglärm betroffen sind. Danach leiden Frauen mehr unter Fluglärm als Männer.

„Fluglärm hat einen stärkeren Effekt auf Frauen, als auf Männer - zum einen, weil sie lärmsensibler sind, zum anderen, weil sie weniger häufig berufstätig sind und so nicht wenigstens für Stunden dem Lärm entfliehen können", sagte Greiser.

Laut seiner Untersuchung steigt das Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln, bei Frauen um 80 Prozent, wenn sie einem nächtlichen Dauerlärmpegel von 60 Dezibel ausgesetzt sind. Bei Männern wächst das Risiko um etwa 70 Prozent. Die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht sich bei Frauen um 70 Prozent, bei Männern nur um etwa 25 Prozent.

Das Schlaganfall-Risiko ist für beide Gruppen gleich hoch: Es steigt bei Dauerlärm in der Nacht um rund 50 Prozent gegenüber der Bevölkerung, die ohne Lärmbelastung schläft.

In punkto Depressionen reagieren besonders Männer mittleren Alters stark: Ab einem nächtlichen Dauerlärmpegel von über 55 Dezibel steigt das Risiko von Männern zwischen 40 und 50 Jahren, an einer Depression zu erkranken, um etwa 100 Prozent. Für Frauen aus derselben Gruppe stellte Greiser einen Risiko-Anstieg von etwa 50 Prozent fest.

Die im Auftrag des Umweltbundesamts erstellte Studie untersuchte die Häufigkeit von Diagnosen und verabreichten Medikamenten in Wohngebieten mit und ohne Fluglärm. Besonders der Nachtflugverkehr mache den Flughafen-Anwohnern im Raum Köln/Bonn zu schaffen. "Frachtflugzeuge fliegen den Flughafen zwischen 23 Uhr und ein Uhr an und verlassen ihn zwischen drei und fünf Uhr früh", sagte Greiser.

Störungen des Schlafs in der Phase am frühen Morgen wirkten sich dabei besonders schädigend aus, weil sich der Mensch im Übergang von der Tiefschlaf- in die Traumphase befände. Wegen des abrupten Anstiegs des Schallpegels werde Fluglärm als besonders belästigend empfunden. Danach folge Straßenlärm, an dritter Stelle Lärm durch Züge. © ddp/aerzteblatt.de

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