NewsAuslandEU-Gesundheits­ausschuss einigt sich auf Maßnahmen gegen Arzneimittel­fälschungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

EU-Gesundheits­ausschuss einigt sich auf Maßnahmen gegen Arzneimittel­fälschungen

Dienstag, 27. April 2010

Brüssel – Wichtige Teile des sogenannten Pharmapakets, mit dem die Europäische Union den Arzneimittelmarkt neu regeln will, haben den Gesund­heits­ausschuss des Europäischen Parlaments (EP) passiert. Dies betrifft die Regelungen zu Arzneimittelfälschungen und zur Pharmakovigilanz.

So haben die Europaabgeordneten heute mit großer Mehrheit beschlossen, EU-weit einheitliche Sicherheitsmerkmale für verschreibungspflichtige Arzneimittel einzuführen, um legal gehandelte Präparate vom Ladentisch bis zum Hersteller zurückverfolgen zu können. Die Datensicherheit und Vertraulichkeit soll gewährleistet bleiben.

Generika, homöopathische Arzneimittel und OTC-Produkte sind von der Regelung ausgenommen, da es hier bislang keine nachweisbaren Fälschungen gab. Die EU-Kommission ist aber dazu aufgefordert, innerhalb von vier Jahren zu überprüfen, ob für diese Produkte künftig auch Sicherheitsmerkmale erforderlich sind.

Anzeige

Die Ausschussmitglieder stimmten zugleich für eine bessere Kontrolle von Internet-Apotheken. Diese können sich dem Beschluss zufolge künftig von den nationalen Aufsichtsbehörden autorisieren lassen und dürfen dies mit einem EU-weit einheitlichen Logo auf ihrer Website symbolisieren.

Öffentlich zugängliche Listen geprüfter Internetapotheken sollen sicherstellen, dass das Logo nicht missbraucht wird. Zusätzlich soll es im Internet Hilfen und Hinweise zum sicheren Online-Einkauf geben.

Den EU-Mitgliedsländern wird ferner gestattet, den Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten im Internet komplett zu verbieten. Außerdem sollen die Staaten die Bürger in Informationskampagnen über die Gefahren des illegalen Versandhandels aufklären.

„Der Kommissionsvorschlag hat das Problem des Internethandels quasi ausgeblendet. Es ist sehr wichtig, dass dieses Problem jetzt vom Ausschuss aufgegriffen wurde“, kommentiere der gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im EP, Peter Liese (CDU), den Beschluss.

Strittiger Punkt in der Debatte waren die Regelungen zu Parallelhandel. Hier einigten sich die Gesundheitsexperten des EP darauf, dass Packungen zwar weiterhin zum Umverpacken geöffnet werden dürfen.  Primärverpackungen wie Tablettenblister oder Flaschen sollen aber unversehrt bleiben.

Holger Krahmer, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP im EP, begrüßte die Entscheidung: „Die Abstimmung ist ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen Medikamentenfälscher. Skandale, wie bei den gefälschten Arzneien in deutschen Apotheken sind dadurch leichter zu verhindern.“

Die SPD-Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt bezeichnete das Abstimmungsergebnis als großen Fortschritt für die Patientensicherheit. „Die Zahl der Medikamentenfälschungen hat in den letzten Jahren bedrohlich zugenommen. Es war daher dringend notwendig, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um gefälschte Medikamente und Inhaltsstoffe zu bekämpfen.“

Auch der CDU-Europaabgeordnete Thomas Ulmer zeigte sich erfreut über das Votum: „In der Europäischen Union werden immer mehr gefälschte Arzneimittel in die legale Lieferkette geschleust. Es ist besorgniserregend, dass es sich dabei nicht mehr nur um sogenannte Lifestylepräparate, wie Viagra handelt, sondern auch um lebenswichtige Krebsmedikamente.“

Bei den beiden Berichten zum Thema Pharmakovigilanz ging es um eine Verbesserung der Arzneimittelüberwachung nach der Zulassung. Um die Meldungen von Nebenwirkungen zu verbessern, fordern die Abgeordneten auch eine Überarbeitung von Beipackzetteln. Eine Abstimmung zu den Regelwerken im Plenum des EP ist für Juni vorgesehen. © ps/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Juli 2020
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Grundzüge des Verfahrens zur Forderung einer anwendungsbegleitenden Datenerhebung und Auswertung für die Nutzenbewertung von Arzneimitteln mit
Zolgensma: G-BA konkretisiert Verfahren zu anwendungsbegleitender Datenerhebung
10. Juli 2020
Los Angeles – US-Erwachsene, die an einer Online-Umfrage zu gastrointestinalen Beschwerden teilnahmen, waren doppelt so häufig mit SARS-CoV-2 infiziert, wenn sie eine Einnahme von
Studie: Steigern PPI das COVID-19-Risiko?
9. Juli 2020
Berlin – Anwendungsbeobachtungen (AWB) sind aus Sicht der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) vielfach Marketingmaßnahmen der Pharmaindustrie mit „geringem wissenschaftlichen
AkdÄ: Erkenntnisgewinn von Anwendungsbeobachtungen gering
7. Juli 2020
Karlsruhe/Bottrop – Im Skandal um jahrelang gestreckte Krebsmedikamente hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Haftstrafe gegen einen Apotheker aus dem Ruhrgebiet bestätigt. Der BGH in Karlsruhe lehnte
Krebsmedikamente gestreckt: Urteil gegen Apotheker rechtskräftig
2. Juli 2020
Oakland/Kalifornien – Werden die Risiken von Makrolid-Antibiotika weiter unterschätzt? Obwohl seit langem bekannt ist, dass die Mittel über eine Verlängerung des QT-Intervalls das Risiko auf tödliche
Studie: Azithromycin kann Herz-Kreislauf-Todesfälle provozieren
16. Juni 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ihre Erlaubnis zum klinischen Einsatz von Hydroxychloroquin/Chloroquin bei Patienten mit COVID-19 widerrufen. Damit dürfen die Malaria- und
COVID-19: FDA widerruft Genehmigung zum Einsatz von Hydroxychloroquin/Chloroquin
9. Juni 2020
Amsterdam – Das US-Pharmaunternehmen Gilead hat offiziell die begrenzte Zulassung von Remdesivir als Mittel gegen COVID-19 auf dem europäischen Markt beantragt. Das teilte die Europäische
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER