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Medizin

Darmkrebs: Sigmoidoskopie senkt Sterberate deutlich

Mittwoch, 28. April 2010

London – Nicht nur die in den USA und Deutschland bevorzugte Koloskopie eignet sich zur Darm­krebs­früh­erken­nung. Auch die schnellere und günstigere Sigmoidoskopie hat in einer randomisierten klinischen Studie im Lancet (2010; doi:10.1016/S0140-6736(10)60551-X) die Darmkrebsrate und Darmkrebsmortalität deutlich gesenkt.

Die Studie des Medical Research Council umfasst 170.432 Briten im Alter von 55 bis 64 Jahren, von denen ein Drittel eine Einladung zum „Flexi-Scope“ erhielt. Immerhin 71 Prozent folgten ihr, was ein erster Erfolg der Studie ist, da endoskopische Darmuntersuchungen in der Bevölkerung nicht besonders beliebt sind. Insgesamt wurden 40.674 Personen sigmoidoskopiert.

Wie die Gruppe um Wendy Atkin vom Imperial College London berichtet, erkrankten in der Nachbeobachtungszeit von 11,2 Jahren 2.524 Teilnehmer an einem Kolorektalkarzinom. In der Intention-to-treat Analyse (sie umfasst alle Personen, die dem Screening zugeordnet wurden, also auch jene, die sich dann doch nicht untersuchen ließen) wurde die Darmkrebsinzidenz um 23 Prozent gesenkt. Die Darmkrebsmortalität sank um 31 Prozent.

In der „per protocol“ Analyse (aller Patienten, die tatsächlich gescreent wurden) waren die Ergebnisse naturgemäß besser: Die Darmkrebsinzidenz sank um 33 Prozent, die Darmkrebsmortalität sogar um 43 Prozent.

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Das tatsächliche Potenzial des endoskopischen Darmkrebsscreenings offenbart sich aber bei den distalen Kolorektalkarzinomen, also jenen Malignomen, die sich in der Reichweite der Sigmoidoskopie befinden. Hier wurde die Inzidenz um 50 Prozent gesenkt.

Es versteht sich, dass alle diese Reduktionen statistisch signifikant waren. Damit wären die Vorteile der „kleinen“ Endoskopie bereits größer als bei der (umstrittenen) Brustkrebsvorsorge. Nach einer Hochrechnung der Autoren könnten in England durch die Sigmoidoskopie jedes Jahr 5.000 Darmkrebserkrankungen und 3.000 Darmkrebstodesfälle vermieden werden, während nach offiziellen Schätzungen des NHS Breast Screening Programme die Mammographie jedes Jahr 1.400 Frauen das Lebens rettet.

Eine flexible Sigmoidoskopie kann nach Einschätzung der britischen Autoren auch von einer Krankenschwester durchgeführt werden und der Zeitaufwand betrage nur 5 Minuten. Um wie viel effektiver muss da die in Deutschland bevorzugte Koloskopie des gesamten Colons durch einen Facharzt sein?

Genau in dieser Frage meldet der Editorialist David Ransohoff von der Universität von North Carolina in Chapel Hill Zweifel an. Er verweist auf eine Fall-Kontroll-Studie, nach welcher die Reduktion der Darmkrebssterblichkeit überwiegend auf die Entdeckung von Tumoren im linken Colon (also eher im Bereich der Sigmoidoskopie) zurückgeht, während Krebserkrankungen im rechten Colon auch mit der Koloskopie nicht immer rechtzeitig entdeckt würden (Annals of Internal Medicine 2009; 150: 1-8).

Über ähnliche Erfahrungen hatte kürzlich auch Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg berichtet. In einer Querschnittsstudie aus dem Saarland wurden seltener Darmkrebserkrankungen im linken Colon entdeckt, wenn bei den Personen in den zehn Jahren zuvor schon einmal eine Koloskopie durchgeführt worden war.

Auf die Inzidenz der Darmkrebserkrankungen im rechten Colon hatte das frühere Screening dagegen keinen Einfluss (JNCI 2010; 102: 89-95). Für Ransohoff könnte angesichts der jetzt vorliegenden britischen Studienergebnisse eine Sigmoidoskopie verbunden mit einem Intervall-Screening durch regelmäßige Stuhluntersuchungen eine sehr attraktive Alternative zur Koloskopie sein (Lancet doi:10.1016/S0140-6736(10)60626-5). © rme/aerzteblatt.de

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