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Medizin

Koronar-CT verbessert Risikoeinschätzung bei Herzkranken

Mittwoch, 28. April 2010

Chicago – Die Koronarkalkbestimmung mittels Computertomographie (CT) hat in einer prospektiven Beobachtungsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 303: 1610-1616) eine symptomatische koronare Herzkrankheit besser vorhergesagt als der Standardscore auf der Basis der Framingham-Studie. Hohe Kosten und das nicht unbeträchtliche Strahlenrisiko dürften aber einer Verbreitung der Untersuchung im Wege stehen.

Mit modernen CT-Geräten lassen sich Kalkablagerungen in den Koronarien quantifizieren. Frühere Studien hatten gezeigt, dass ein „coronary artery calcium score“ oder CACS von mehr als 300 mit einem erhöhten Risiko von späteren koronaren Ereignissen einhergeht.

In der „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“ oder MESA-Studie wurde bei 5.878 Männern und Frauen im Alter von 45 bis 84 Jahren eine Koronarkalkbestimmung durchgeführt. Zum Zeitpunkt der Untersuchung hatten die Studienteilnehmer, die den verschiedenen ethnischen Gruppen der US-Bevölkerung (Weiße, Afroamerikaner, Hispanics und Chinesen) angehörten, noch keine symptomatische koronare Herzkrankheit.

In den folgenden 5,8 Jahren erkrankten dann jedoch 209 an einer Angina pectoris oder einem Herzinfarkt. Diese Ereignisse lassen sich recht gut durch einen Risiko-Score vorhersagen, der Alter, Geschlecht, Rauchen, systolischen Blutdruck, Einnahme von Blutdruckmedikamenten, Cholesterinwert und ethnische Herkunft berücksichtigt.
 

Mit ihm wurden die Personen auf ein Risiko eines KHK-Ereignisses in den folgenden 5 Jahren von unter 3 Prozent, von 3 bis 10 Prozent oder von mehr als 10 Prozent kategorisiert. Diese Einstufung bildet häufig die Grundlage für eine lipidsenkende Therapie, die so auf jene Patienten beschränkt werden soll, die den größten Nutzen aus der Therapie haben.

Durch eine Koronarkalkbestimmung konnte die Vorhersage jetzt noch verbessert werden. Der Anteil der Patienten, die einem niedrigen Risiko (vorerst keine Therapie) oder einem hohen Risiko (dringend nötige Therapie) zugeordnet wurden, konnte von 69 Prozent auf 77 Prozent verbessert werden, berichten Tamar Polonsky von der Northwestern University in Chicago und Mitarbeiter.

23 Prozent der Patienten wurden aufgrund der CACS-Werte in die Hoch-Risiko-Gruppe und 13 Prozent in die Niedrig-Risiko-Gruppe neu eingestuft.

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Damit ist der prädiktive Wert der Koronarkalkbestimmung nach Ansicht der Editorialisten John Ioannidis von der Universität Ioannina in Griechenland und Ioanna Tzoulaki vom Imperial College of Medicine London belegt.

Eine lipidsenkende Therapie könnte genauer als bisher den Patienten zugeordnet werden, die diese auch benötigen. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass die Koronarkalkbestimmung medizinisch sinnvoll ist. Dagegen sprechen die hohen Kosten von 200 bis 600 US-Dollar pro Untersuchung und ein gewisses Krebsrisiko durch die Röntgenstrahlen.

Experten schätzen, dass eine einzelne CT-Untersuchungen bei 40-Jährigen 9 zusätzliche Krebserkrankungen auf 100.000 Männer und 28 zusätzliche Krebserkrankungen auf 100.000 Frauen zur Folge hat. Eine vorsorgliche Therapie mit Statinen ist dagegen kostengünstig und nicht mit wesentlichen Risiken verbunden. Eine positive Kosten/Risiko-Nutzen-Abschätzung erscheint deshalb den Editorialisten unwahrscheinlich. © rme/aerzteblatt.de

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