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Ärzteschaft

Ärztemangel: Schlechte Prognosen für Thüringen und Westfalen-Lippe

Mittwoch, 5. Mai 2010

Berlin – In Thüringen und Westfalen-Lippe werden im Jahr 2025 mehr Hausärzte benötigt, als im Jahr 2007 verfügbar waren. Um für ausscheidende Ärzte genug Nachfolger zu finden und um den Mehrbedarf zu decken, der sich aus der steigenden Anzahl älterer Menschen ergibt, müsste die Anzahl jährlich neu zuzulassender Hausärzte in Westfalen-Lippe im Vergleich zum Jahr 2008 bis 2025 um 22 Prozent steigen, in Thüringen sogar um 53 Prozent. Das geht aus einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Alle 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben demnach das ZI beauftragt, ihren regionalen Versorgungs- und Arztbedarf bis zum Jahr 2025 abzuschätzen. Die Daten sollen auch dazu dienen, überall Standorte zu identifizieren, die bevorzugt mit Ärzten besetzt werden müssen, um die größten Engpässe vor Ort zu vermeiden.

Außerdem sollen sie eine Entscheidungsgrundlage für die Beratungen in den Landesausschüssen sein. Die Gutachten für Thüringen und Westfalen-Lippe liegen vor, weitere für andere Bundesländer werden folgen.

Aus den Untersuchungen des ZI geht hervor, dass der Bevölkerungsrückgang allein die Probleme nicht beseitigen wird. Nach amtlichen Berechnungen wird die Bevölkerung in Deutschland bis zum Jahr 2025 zwar um durchschnittlich zwei Prozent abnehmen, in Thüringen sogar um schätzungsweise 15 Prozent und in Westfalen-Lippe um vier Prozent.

Doch weil dort dann mehr ältere Patienten als heute zu versorgen sind, steigt nach Ansicht des ZI der Versorgungsbedarf. Allenfalls die Nachfrage nach einzelnen Berufsgruppen wie Kinder- und Frauenärzten werde sinken, hieß es. Doch bei Hausärzten, Augenärzten, Internisten und Urologen rechnet das Institut mit einem hohen Bedarf. 

„Wir müssen die demographische Entwicklung in die Planung einbeziehen“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler. „Die voraussichtliche Veränderung der Bevölkerungsstruktur hat starke Auswirkungen auf den Bedarf an Ärzten.“ Köhler erläuterte, mit Studien wie der des ZI könne man die zukünftige Versorgungslage simulieren und damit abschätzen, „wo eine Niederlassung den größtmöglichen Nutzen für die Wohnbevölkerung stiftet“. Solches Wissen helfe jedoch nur, wenn man die Niederlassungen faktisch auch steuern könne. 

Auf diverse Anreize zur Förderung des Nachwuchses wies beispielhaft für Thüringen Regina Feldmann hin, Vorstandsvorsitzende der dortigen KV. In Thüringen versuche man den ärztlichen Nachwuchs durch Stipendien, Blockweiterbildungsverträge im Rahmen der Weiterbildung Allgemeinmedizin oder auch den beruflichen Einstieg über Zweigpraxen der KV für die ambulante Versorgung zu gewinnen. Feldmann forderte jedoch auch staatliche Hilfen; die KVen allein könnten die Nachwuchslücken nicht schließen. 

In Thüringen werde seit mehreren Jahren viel getan, hatte auch Mathias Wesser vor kurzem im Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt betont. „Aber in der Allgemeinmedizin war der Bruch insofern immer programmiert, als dass die Ärzte in Weiterbildung im Krankenhaus jahrelang mehr Geld bekommen haben als in der Praxis“, sagte der Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen.

Wesser regte an, über mehr Weiterbildungsangebote im ambulanten Bereich nachzudenken und möglicherweise auch eine finanzielle Anerkennung der Weiterbildung in Betracht zu ziehen, die derzeit ja nicht gesondert bezahlt werde, sondern „Abfallprodukt der normalen ärztlichen Versorgung in der Klinik“ sei. Der Kammerpräsident ist aber zuversichtlich, dass sich der Nachwuchs für die ambulante Versorgung begeistern lässt, wenn man Strukturen verändert : „Der künftige Hausarzt wird eben keiner sein, der 24 Stunden arbeitet."

© Rie/aerzteblatt.de

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