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Medizin

US-Report: Umwelt als Krebsrisiko unterschätzt

Montag, 10. Mai 2010

Washington – Ein noch von der Bush-Administration beauftragter Report kommt zu dem Ergebnis, dass die Krebsgefahr durch Umweltschadstoffe deutlich höher ist als bisher angenommen. Die American Cancer Society hält die Einschätzung für überzogen.

LaSalle Leffall von der Howard University und Margaret Kripke vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston halten Annahmen, wonach Umweltschadstoffe für gerade einmal vier Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich sind (plus 2 Prozent durch Expositionen am Arbeitsplatz) für „hoffnungslos veraltet“.

Tatsächlich gehen diese Zahlen auf eine fast drei Jahrzehnte alte Untersuchung der Oxford-Epidemiologen Richard Doll und Richard Peto zurück (JNCI 1981; 66: 1191-308), die seither immer wieder zitiert wird, so zuletzt auch von einem Report der American Cancer Society (Perspectives on Environmental Factors and Cancer, CA Cancer J Clin 2009; 59; 343-351).

Inzwischen ist die Zahl der Chemikalien, denen US-Amerikaner im Alltag ausgesetzt sind stetig angestiegen. Doch nur für weniger hundert von insgesamt 80.000 Substanzen liege eine Risikoabschätzung vor, kritisieren Leffall und Kripke.

Untersuchungen würden immer erst dann durchgeführt, wenn eine Substanz unter Krebsverdacht stehe. Dies ist in den Augen der Autoren eine „reaktionäre“ Haltung. Notwendig sei eine vorsorgliche Untersuchung der bekannten Chemikalien, die über Nahrung, Wasser oder Luft in den menschlichen Körper gelangen. Dies dürfte europäische Beobachter an die Diskussion um die REACH-Verordnung der EU von 2007 erinnern.

Mangels genauer Untersuchungen sind Leffall und Kripke auf Spekulationen angewiesen. Diese betreffen die in den letzten Jahren unter Krebsverdacht geratenen Pestizide und Phthalate, aber auch bekannte Karzinogene wie Automobilabgase oder die Strahlenexposition durch medizinische Röntgenuntersuchungen, über deren Ausmaß am Krebsrisiko aber gestritten wird.

Interessant sind die Hinweise zum Selbstschutz der Bevölkerung. Es wird nicht nur zu Öko-Nahrungsmitteln geraten, die möglichst ohne den Einsatz von Pestiziden angebaut werden sollten. Die beiden Krebsexperten raten auch dazu, das Wasser zu filtern und nur noch in Metall-Gefäßen zu lagern.
 

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Um das Haus von Schadstoffen frei zu halten, sollte man den Schuhe draußen ausziehen und Arbeitskleidung getrennt von anderen Sachen waschen. Ungenutzte elektrische Geräte sollten abgeschaltet werden, denn dies werde den Energieverbrauch senken und damit die Exposition gegenüber Luftschadstoffen mildern, da weniger fossile Energiestoffe verbrannt werden müssen. Auch der Hinweis, ein Headset für das Handy anzuschaffen, um potenzielle Gefahren durch elektromagnetische Strahlen zu meiden, fehlt nicht.

Diese trivialen Ratschläge gehen der American Cancer Society (ACS) viel zu weit. In einem “blog” kritisiert der ehemalige ACS-Vizepräsident und Mitautor des früheren Reports, Michael Thun, dass Leffall und Kripke die wichtigsten Umweltursachen von Krebserkrankungen, nämlich aktives Rauchen, Alkohol, Infektionen, Hormone und Sonnenlicht vernachlässigen und damit den Focus zu sehr einschränken. Dadurch würde die Bevölkerung nur von den größeren Gesundheitsrisiken abgelenkt. © rme/aerzteblatt.de

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