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Medizin

Zwangsstörungen unter Dopaminagonisten häufig

Dienstag, 11. Mai 2010

Philadelphia – Spielsucht, Kaufrausch, Essattacken und ein gesteigerter Sexualtrieb sind mögliche Folgen einer Stimulation des Belohnungssystems durch Dopaminagonisten im Rahmen der Behandlung eines Morbus Parkinson. Die Prävalenz ist einer Querschnittsstudie in den Archives of Neurology (2010; 67: 589-595) zufolge häufiger als bisher angenommen.

Zunächst fanden sich Fallberichte in der Literatur über teilweise bizarre Verhaltensweisen von Parkinsonpatienten, dann folgten vorsichtige Schätzungen, nach denen nur wenige Prozent der Patienten unter einer verminderten Impulskontrolle oder Zwangsstörungen leiden sollen.

Nach der bisher größten und zugleich sorgfältigsten Untersuchung müssen die Zahlen nach oben korrigiert werden. An 36 Behandlungszentren in den USA und in Kanada untersuchten Daniel Weintraub von der Universität Philadelphia und Mitarbeiter 3.090 Patienten.

Zur Anwendung kamen der Massachusetts Gambling Screen für eine Spielsucht, das Minnesota Impulsive Disorders Interview, das zwanghaftes Kauf- und Sexualverhalten erkennt, sowie die DSM-IV-Kriterien für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Fourth Edition, Text Revision) für das „Binge Eating“, einer Essstörung mit periodischen Heißhungeranfällen.

Ergebnis: 13,6 Prozent aller Parkinson-Patienten hatten eine Störung der Impulskontrolle, darunter waren 5 Prozent mit pathologischem Spielen, 3,5 Prozent mit einem zwanghaften Sexualverhalten und 5,7 Prozent mit einer Kaufsucht sowie 4,3 Prozent mit einer „Binge Eating“-Essstörung.

Schon die Behandlung mit Dopamin erhöht die Prävalenz der Zwangsstörungen um 51 Prozent. Auffällig wird sie jedoch oft erst unter der Therapie mit Dopaminagonisten. Unter der Behandlung mit Pramipexol (Mirapex® von Boehringer Ingelheim, dem Sponsor der Studie) wiesen 17,7 Prozent der Patienten eine Zwangsstörung auf.

Unter der Behandlung mit Ropinirol (Requip® des Herstellers GlaxoSmithKline) waren es mit 15,5 Prozent nicht signifikant weniger. Weintraub vermutet deshalb, dass es sich um einen Klasseneffekt aller Dopaminagonisten handelt, für die er eine Odds Ratio OR von 2,72 errechnet.

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Neben den Medikamenten erhöhten auch ein junges Alter (unter 65 Jahren: OR 2,5) und eine Familienanamnese einer Spielsucht (OR 2,08) das Risiko. Weiterhin scheinen Ledige (OR 1,48), US-Amerikaner mehr als Kanadier (OR 1,62) und Raucher (OR 1,70) vermehrt gefährdet zu sein. © rme/aerzteblatt.de

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