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Medizin

Meta-Analyse: Fibrate senken Herzinfarktrisiko doch (ein wenig)

Montag, 17. Mai 2010

Sydney – Die ACCORD-Studie hat jüngst Zweifel am Sinn einer lipidsenkenden Therapie mit Fibraten aufkommen lassen. Nach einer Meta-Analyse im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(10)60656-3) ist die seit Jahrzehnten bewährte Wirkstoffgruppe jedoch durchaus in der Lage, die Rate von Herzinfarkten zu senken. Eine Auswirkung auf das Schlaganfallrisiko war nicht zu erkennen.

In der randomisierten ACCORD-Lipid-Studie waren 5.518 Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko mit einer Kombination aus Simvastatin plus Fenofibrat oder mit Simvastatin (plus Placebo) behandelt worden.

Wie erwartet senkte Fenofibrat die Triglyzeride deutlich, und auch ein tendenzieller Anstieg des HDL-Cholesterins wurde registriert. Doch auf den harten Endpunkt der Studie – ein Composite aus Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzkreislauftod – schlugen die besseren Laborwerte nicht durch.

Die Häufigkeit wurde über die Studienzeit von 4,7 Jahren nur von 2,4 auf 2,2 Prozent gesenkt. Das ergibt eine Hazard Ratio von 0,92, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,79 bis 1,08 das Signifikanzniveau nicht erreichte.

In der gleichen Größenordnung, dieses Mal aber statistisch signifikant, war die präventive Wirkung in einer Meta-Analyse, über die Vlado Perkovic und Kollegen vom George Institute for International Health an der University of Sydney berichten: Die Analyse umfasste neben dem ACCORD-Lipid-Trial 17 weitere Studien mit 45.058 Teilnehmern.

Die Fibrat-Therapie brachte eine Verringerung des relativen Risikos um 10 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 0-18 Prozent) für kardiovaskuläre Ereignisse sowie um 13 Prozent (7-19 Prozent) für koronare Ereignisse. Allerdings hatte die Fibrat-Behandlung keine statistisch signifikante Wirkung auf Schlaganfall, Sterblichkeit aus allen Gründen, kardiovaskulären oder plötzlichen Tod.

Ein interessanter Nebenbefund ist, dass die Fibrate das Risiko einer fortschreitenden Albuminurie um 14 Prozent (2 bis 25 Prozent) senkten. Ob sich daraus eine nephroprotektive Wirkung ableiten lässt, ist unklar. Die Verträglichkeit der Fibrate wird positiv bewertet: Die Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse wurde durch nur nicht signifikant gesteigert (relatives Risiko 1,21; 0,91-1,61).

Auch wenn das Ausmaß der Risikominderung bescheidener ausfällt als bei den LDL-senkenden Statinen, mögen Perkovic und Mitarbeiter den Fibraten eine klinische Relevanz nicht völlig absprechen. Erst in der vergangenen Woche hatten britische Forscher übrigens versucht, die Hypertriglyzeridämie als eigenständigen kardialen Risikofaktor zu etablieren (Lancet 2010; 375: 1634-39). © rme/aerzteblatt.de

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