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Medizin

Weniger Herzinfarkte durch Zähneputzen

Freitag, 28. Mai 2010

London – Wer sich nicht zweimal täglich die Zähne putzt, erkrankt einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2010; 340: c2451) zufolge häufiger an Herzinfarkt und anderen kardialen Erkrankungen. Die Erklärung könnte in den ebenfalls mit einer schlechten Mundhygiene assoziierten erhöhten Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP) sein.

Im Rahmen des Scottish Health Survey prüft die Regierung regelmäßig den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Eine repräsentative Stichprobe wird medizinisch untersucht und nach ihrem Lebensstil befragt. In den Jahren 1995, 1998 und 2003 gaben die Teilnehmer, 11.869 Männer und Frauen über 35, auch Auskunft zur oralen Hygiene: Immerhin sieben von zehn sagten, dass sie zweimal am Tag die Zähne putzten.

Nach der Analyse von Richard Watt vom University College London gaben die gleichen Personen seltener kardiale Erkrankungen an. Teilnehmer, die sich selten oder nie die Zähne putzten, waren zu 70 Prozent häufiger kardial erkrankt (Hazard Ratio 1,70; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,3-2,3). Diese Analyse berücksichtigt einige andere kardiale Risikofaktoren wie soziale Schicht, Übergewicht, Rauchen oder eine positive Familienanamnese.

In einer Untergruppe waren auch Blutproben entnommen worden, in denen unter anderem auch die Konzentration des CRP bestimmt wurde. Dieser allgemeine Entzündungsmarker ist auch bei atherosklerotischen Erkrankungen erhöht, an deren Pathogenese nach heutigem Kenntnisstand eine allgemeine Entzündungsreaktion beteiligt ist.

Tatsächlich kann Watt zeigen, dass Erwachsene mit einer schlechten Mundhygiene erhöhte CRP-Konzentrationen im Blut haben. Fibrinogen, ein weiterer Entzündungsmarker war ebenfalls häufiger erhöht. Die Parodontose, typischerweise eine Folge der schlechten Mundhygiene, könnte die allgemeine Entzündungsreaktion im Körper fördern und damit indirekt das Risiko auf eine Herzinfarkt oder andere kardiale Erkrankungen verstärken, vermutet Watt.

Insgesamt dürfen die Ergebnisse einer Stichprobenuntersuchung nicht überschätzt werden, zumal die Angaben zur Mundhygiene nicht überprüft wurden. Eine randomisierte Studie zu den Auswirkungen des Zähneputzens ist aber kaum zu erwarten. © rme/aerzteblatt.de

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