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Medizin

Herzstillstand: Zu viel Sauerstoff kann schaden

Mittwoch, 2. Juni 2010

Camden – Der Versuch, das Gehirn nach einer erfolgreichen Reanimation maximal mit Sauerstoff zu versorgen, kann möglicherweise mehr Schaden anrichten als nutzen. Eine Beobachtungsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2010; 303: 2165-2171) bringt eine hohe Sauerstoffsättigung in der Blutgasanalyse mit einer erhöhten Sterberate in Verbindung.

Sauerstoff ist ohne Frage lebenswichtig, Sauerstoff ist aber auch ein starkes Oxidierungsmittel, das Enzyme angreift und wichtige Stoffwechselfunktionen stören kann. In der Neonatologie sind Intensivmediziner davon abgerückt, die Kinder nach einer Reanimation mit 100-Prozent Sauerstoff zu beatmen.

Bei Erwachsenen mit einem plötzlichen Herzstillstand wird Sauerstoff unkritischer eingesetzt. Fast jeder fünfte Patient, der an US-Kliniken reanimiert wird, hatte der Studie zufolge bei der ersten Blutgasanalyse einen PaO2 von 300 mm Hg oder mehr. 63 Prozent der Patienten starben trotz dieser “Hyperoxie”.

Vielleicht starben einige Patienten auch aufgrund der hohen Sauerstoffwerte, denn in der Vergleichsgruppe der Patienten mit einer Normoxie (PaO2 <300 mm Hg) betrug die Sterberate nur 45 Prozent, wie J. Hope Kilgannon vom Cooper University Hospital in Camden/New Jersey in einer Analyse der Datenbank IMPACT ermittelte, an der sich 120 US-Kliniken beteiligten. Selbst in der Gruppe der Patienten einer Hypoxie war die Sterberate mit 57 Prozent geringer als in der Hyperoxie-Gruppe.

Die Unterschiede waren signifikant und aufgrund der Größenordnung (18 Prozent zur Normoxiegruppe und 6 Prozent zur Hypoxiegruppe) wären sie auch klinisch relevant. Wie immer bei Beobachtungsstudien gibt es Einschränkungen. So ist leicht vorstellbar, dass die Ärzte die Sauerstoffbehandlung bei Patienten mit geringen Überlebenschancen länger und intensiver durchführten.

Solche Bias ließen sich nur in einer randomisierten klinischen Studie ausschließen. Für den Editorialisten Patrick Kochanek von der University of Pittsburgh School of Medicine stellt sich jedoch die Frage, ob die Sauerstofftherapie nach einer Reanimation nicht überdacht werden müsse.

Möglicherweise spiele der Zeitpunkt der Sauerstoffgabe eine Rolle. Tierexperimentelle Studien hätten gezeigt, dass eine hohe Sauerstoffsättigung in der initialen Phase nach der Reanimation besonders schädlich sei, zu einem späteren Zeitpunkt könnte sie aber nützen. © rme/aerzteblatt.de

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