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Medizin

Autismus: Anzahl der Genkopien als Auslöser

Donnerstag, 10. Juni 2010

Toronto – Die genetischen Ursachen autistischer Störungen sind offenbar ebenso vielgestaltig wie die Ausprägung der Erkrankung selbst. Dies zeigen die neuesten Ergebnisse des “Autism Genome Project”, das in Nature (2010; doi: 10.1038/nature09146) den Einfluss von Duplikationen oder Deletionen einzelner Gene untersucht hat.

Kinder mit einer autistischen Störung fallen durch Probleme in der Kommunikation, eingeschränkte Sozialkontakte und stereotype Verhaltensmuster auf. Die Bandbreite der Störungen ist jedoch weit. Sie reicht von überdurchschnittlicher Intelligenz bis hin zur geistigen Behinderung. Schon lange gehen die Ärzte nicht mehr davon aus, dass es sich beim “Autismus” um eine einzelne Entität handelt.

Sie sprechen von einer Gruppe von Funktionsstörungen mit ähnlichen Merkmalen. Der Oberbegriff ist eine Autismusspektrums-Störung (autism spectrum disorder, ASD). Dazu gehören der frühkindliche Autismus, das Asperger Syndrom und der atypische Autismus. Etwa ein Prozent der Bevölkerung weist eine dieser Störungen auf.

Etwa 90 Prozent der Erkrankungen sind erblich, und das “Autism Genome Project”, ein Zusammenschluss von 120 Wissenschaftlern aus über 60 Forschungseinrichtungen in 11 Ländern, sucht seit 2003 nach den genetischen Ursachen. Jetzt legt die Gruppe um Stephen Scherer vom Hospital for Sick Children in Toronto den zweiten Bericht vor.

Er beschäftigt sich mit dem Einfluss von “copy number variants” (CNV) auf die Erkrankung. Viele Gene sind im menschlichen Erbgut mehrfach vorhanden und die Anzahl der Kopien kann die embryonale und fetale Entwicklung der Organe beeinflussen.

Dass dies auch auf das Gehirn zutrifft, zeigt der Genvergleich von 1.000 Kindern mit ASD und 1.300 Kontrollen. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf Gene wie SHANK2, SYNGAP1, DLGAP2 und die X-chromomalen DDX53–PTCHD1, die bereits früher in Einzelfällen mit der ASD in Verbindung gebracht wurden.

Einige dieser Gene beeinflussen die Ausbildung von Synapsen, andere greifen in die Proliferation der Nervenzellen, die Projektion ihrer Fortsätze und die Wanderung der Zellen ein, zu der es in der Entwicklungsphase des Gehirns kommt.

ASD sind nur eine möglich Folge der CNV, zu den anderen gehören geistige Beeinträchtigungen und psychiatrische Erkrankungen, die nicht notwendigerweise mit autistischen Störungen assoziiert sein müssen.

Die neuen Erkenntnisse fördern das Verständnis der biologischen Grundlagen der Störungen, die auf der Ebene der synaptischen Verknüpfungen vermutet werden. Ob sich daraus einmal Gentests ableiten lassen, welche die Diagnose und Einteilung erleichtern, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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