NewsAuslandNoch kein Durchbruch bei grenzüber­schreitender Gesundheits­versorgung?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Noch kein Durchbruch bei grenzüber­schreitender Gesundheits­versorgung?

Donnerstag, 17. Juni 2010

Brüssel – Die EU-Ge­sund­heits­mi­nis­ter feierten ihren Kompromiss zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung letzte Woche in Luxemburg als Durchbruch. Ärzte, Europaabgeordnete und Patienten mahnen jedoch Änderungsbedarf an, bevor die Richtlinie in Kraft treten kann.

„Die Rechte der Patienten werden durch die Beschlüsse des Europäischen Parlaments weit umfassender und stärker unterstützt als durch die Vorschläge der Ge­sund­heits­mi­nis­ter und ich rechne daher damit, dass das Parlament im weiteren Verfahren den Ministerrat zu Abänderungen zwingen wird“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion im Europäischen Parlament (EP), der CDU-Abgeordnete Peter Liese.

Das EP hatte im April 2009 in erster Lesung über das Regelwerk abgestimmt. Gegen Ende dieses Jahres wollen die Abgeordneten über den Ratskompromiss beraten. Eine Einigung mit den Ministern ist frühestens im Frühjahr 2011 möglich.

Das EP hatte unter anderem gefordert, die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit seltenen Erkrankungen zu verbessern. „Hier hat der Ministerrat nur sehr wenig getan“, so Liese. Ferner hatten die Abgeordneten deutlicher als der Ministerrat darauf gedrängt, dass ethisch umstrittene Verfahren wie DNA-Tests und künstliche Befruchtungen nur dann von der Krankenkasse erstattet werden sollen, wenn sie zu den Regeln erfolgen, die auch im Inland gelten.

„Außerdem möchten wir, dass bei einer geplanten Behandlung, die genehmigt werden muss, der Patient einen Gutschein bekommt, damit er nicht mit seinem Privatvermögen in Vorkasse treten muss“, betonte Liese.

Dies fordert auch das Europäische Patientenforum (EPF). „Ansonsten kann die große Mehrheit der EU-Bürger nicht von den neuen Vorschriften profitieren“, so das EPF. Die Europäische Verbraucherorganisation BEUC kritisierte, dass der von den Ge­sund­heits­mi­nis­tern abgestimmte Kompromiss in einigen Punkten rechtlich unklar sei. Die Patienten könnten daher nicht ausreichend von den neuen Vorschriften profitieren.

Der ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte (CPME) begrüßt, dass sich die Minister unter anderem auf eine engere Zusammenarbeit im Bereich e-health einigen konnten. Zugleich verweist der CPME darauf, dass ein von den Patienten genehmigter elektronischer Datenaustausch für die Qualität und Sicherheit der Versorgung bei Auslandsbehandlungen unerlässlich ist.

Anzeige

© ps/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. August 2019
Hamburg – Der Medizintourismus boomt und bietet auch der Kreuzfahrtbranche vielversprechende Entwicklungsperspektiven. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Umfrage der Hochschule Fresenius, der
Medizintourismus kommt auf hoher See in Fahrt
30. April 2019
Leipzig – Die Deutschen gehen einem Bericht zufolge für Zahnersatzbehandlungen nur sehr selten ins Ausland. Bei den Versicherten der Techniker Krankenkasse betrage der Anteil nur 0,2 Prozent,
Deutsche gehen nur selten für Zahnersatz ins Ausland
2. April 2019
Kapstadt – Das Politmagazin New African hat Kritik an afrikanischen Politikern geübt, die für Behandlungen im Ausland Millionen an Steuergeldern ausgeben. So sei es zum „Normalfall“ geworden, dass
Kritik an Medizintourismus afrikanischer Präsidenten
14. März 2019
Atlanta und Stockholm – Das verlockende Angebot auf eine preiswerte Schönheitsoperation im Ausland kann schwere Konsequenzen haben. Hygienefehler in einer Klinik in Tijuana/Mexiko haben bei mindestens
Medizintouristen kehrten aus Mexiko mit resistenten Infektionen zurück
4. Februar 2019
Sankt Augustin – 2017 sind rund 247.500 Patienten aus 177 Ländern nach Deutschland gekommen, um sich hier stationär oder ambulant behandeln zu lassen. Sie bescherten dem deutschen Gesundheitssystem
Weniger Patienten aus den Golfstaaten lassen sich in Deutschland behandeln
2. Februar 2018
Sankt Augustin – Der Medizintourismus nach Deutschland ist erstmals seit Jahren gesunken. 2016 ließen sich mehr als 253.000 Patienten aus 181 Ländern stationär oder ambulant in der Bundesrepublik
Medizintourismus nach Deutschland leicht rückläufig
6. November 2017
Darmstadt – Gesetzlich Krankenversicherte haben im Urlaub in der Türkei auch mit einem gültigen Auslandskrankenschein keinen Anspruch auf eine Behandlung in einer Privatklinik. Das entschied das
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER