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Medizin

Cochrane: Sauerstoff-Gabe nach Herzinfarkt nicht evidenzbasiert

Donnerstag, 17. Juni 2010

Alicante – Die Maskenbeatmung mit Sauerstoff, eine verbreitete Praxis in der Akuttherapie des Herzinfarktes, ist nach Einschätzung einer Meta-Analyse in den Cochrane Database of Systematic Reviews (2010; doi: 10.1002/14651858.CD007160.pub2) nicht evidenzbasiert. Es gebe sogar Hinweise auf eine mögliche Schädigung.

Erst vor wenigen Tagen hatte eine Beobachtungsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2010; 303: 2165-2171) die hochdosierte Sauerstoffbehandlung im Rahmen der Reanimation nach einem Herzstillstand infrage gestellt: Patienten, die nach eine Sauerstoffgabe „hyperoxämisch“ die Klinik erreichten, hatten eine deutlich höhere Sterblichkeit als Patienten mit einer normalen Sauerstoffsättigung in der Blutgas-Analyse. Jetzt weist eine spanisch-britische Arbeitsgruppe darauf hin, dass auch die Sauerstoffgabe in der Akutversorgung des Herzinfarktes auf tönernen Füßen steht.

Juan Cabello von der Universität Alicante hat nur drei randomisierte klinische Studien ausfindig machen können, in denen die Auswirkungen der Sauerstoffgabe auf das Überleben der Herzinfarktpatienten untersucht wurden.

Von den 387 Teilnehmern starben nur 14. Diese hatten aber dreimal so häufig Sauerstoff erhalten wie die überlebenden Patienten (Relatives Risiko 3,03 in der “Intention-to-treat”-Analyse). Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wurde das Signifikanzniveau verfehlt (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,93 bis 9,83).

Daraus kann nun aber nicht geschlossen werden, dass die Sauerstofftherapie nicht schadet. Die Forscher fordern dringend die Durchführung einer randomisierten Studie zu dieser Frage. Der Editorialist Clive Weston von der School of Medicine in Swansea rät derweil dazu, die Sauerstoffbeatmung gezielt bei Patienten mit einer Hypoxämie einzusetzen und die Dosierung so zu wählen, dass eine Hyperoxämie nach Möglichkeit vermieden werde. © rme/aerzteblatt.de

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