Ausland

Europarats-Ausschuss will Regeln für Gewissensgründe bei Ärzten

Dienstag, 22. Juni 2010

Straßburg – Ein Ausschuss der Parlamentarischen Versammlung des Europarates will Regeln für Ärzte festschreiben, die eine Behandlung aus Gewissensgründen verweigern. Es müsse ein Gleichgewicht zwischen dem persönlichen Recht auf Gewissensentscheidungen und dem Recht der Patienten auf die gesetzlich zulässige Versorgung in angemessener Frist geben, heißt es in dem am Montagabend in Straßburg veröffentlichten Entschließungsentwurf. Vor allem bei Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe kommt es immer wieder zu Streit zwischen Ärzten und Patienten. 

In dem Entwurf des Appells an die 47 Europarats-Mitgliedstaaten heißt es, die Mediziner sollten verpflichtet werden, unter Umständen ihre Gewissensgründe zurückzustellen. Die Gewissensprobleme müssten zurückstehen, wenn Gesundheit oder Leben des Patienten bedroht seien und wenn es nicht möglich ist, den Patienten rasch an eine andere Gesundheitseinrichtung zu überweisen.

Das Recht auf Gewissensentscheidung solle immer nur den Medizinern im konkreten Einzelfall zustehen, nicht aber für öffentliche und staatliche Einrichtungen wie etwa Kliniken insgesamt gelten. Der im Gesundheitsausschuss der Parlamentarischen Versammlung verabschiedete Entwurf soll im Herbst im Plenum der Europarats-Parlamentarier beraten werden. © kna/aerzteblatt.de

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adonis
am Donnerstag, 24. Juni 2010, 07:58

Kein Gewissen?

Mich wundert die geringe Beteiligung der Leserschaft zu diesem Thema!!! Es handelt sich doch um einen fundamentalen Wert!!! Vom Eu Parlament verordnete Abtreibungen und Euthanasie. Um mich hier nicht falsch zu verstehen. Jeder Kollege mag das mit sich selbst ausmachen. Das wäre nicht mein Anliegen. Aber jeder Arzt hat das Recht sich solchen Massnahmen zu entziehen. Schon jetzt gibt es eine Reihe schwere ethische Entscheidungen. Aber wir brauchen uns doch nicht zu " Mauerschützen", Folterknechten und Tötungsmaschinen umfunktionieren zu lassen.
Michael Heins
am Mittwoch, 23. Juni 2010, 22:21

Befreiung vom Gewissen

Das ist der geltende Trend im Sozialismus 2.0, furchte ich.
Das Gewissen wird von denen abgeschafft, die es selbst nicht haben und es für andere auch für überflüssig halten.
So ist im öffentlichen Raum Religionsfreiheit bereits Freiheit von Religion, und nun auch Gewissensfreiheit Freiheit von Gewissen...
Das Ziel ist es offenbar, Gesinnungsterror auf Ärzte ausüben zu können, die aus Gewissensgründen bestimmte Behandlungen ablehnen (ich selbst habe z.B. schon einmal die Mitwirkung bei der Abtreibung eines gesunden Kindes abgelehnt - ich KONNTE es einfach nicht tun).
Die Abtreibung-ist-Grundrecht-Lobby dürfte natürlich besonderes Interesse an so einem "Gesetz" haben.
Ich kann jedem nur raten, bei den SozialistInnen im Europarat besonders genau hinzuschauen und sich zu informieren.
Nutzen wir die Demokratie, solange wir sie noch haben.
Nestor notabilis
am Mittwoch, 23. Juni 2010, 15:26

Das darf doch nicht wahr sein!

@ adonis und @ Europarat: Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht aller Opfer, sondern auch ein Schlag ins Gesicht aller Ärzte. Unser Gewissen soll wieder politisch modifiziert werden?! Das darf doch nicht wahr sein.
adonis
am Mittwoch, 23. Juni 2010, 09:29

55 Jahre nach Kriegsende

ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer.
Die Ablehnung einer Massnahme aus Gewissensgründen ist ethisch wichtig. Nicht jeder Arzt will Abtreibungen ausführen oder seinen Patienten ermorden. Teilnahme an Foltern ist auch abzulehnen. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber Guantanamo lehrt uns etwas anderes.
Wehret den Anfängen!!!

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