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Politik

Bevölkerung steht hinter Rauchverboten

Dienstag, 22. Juni 2010

Heidelberg – Die Bevölkerung in Deutschland empfindet Rauchverbote als Chance und nicht als Einschränkung. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Reports des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zum Nichtraucherschutz. Demnach finden die Gesetze zum Nichtraucherschutz in der Bevölkerung eine breite Zustimmung.

Laut DKFZ haben die in den letzten Jahren in Deutschland eingeführten Rauchverbote die Luftqualität in öffentlichen Einrichtungen und vor allem in der Gastronomie deutlich verbessert. Messungen zufolge ist von 2005 bis 2009 die Belastung mit Tabakrauchpartikeln, die tief in die Lunge eindringen können, um rund 80 Prozent gesunken. „Nichtraucherschutz ist Verbraucherschutz, der von der Bevölkerung gewünscht wird“, sagte Stefan Etgeton, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Ernährung beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

In Deutschland sprächen sich über 70 Prozent der Bevölkerung für Rauchverbote in Gaststätten aus. Dem Report zufolge machen auch Raucher mit den Rauchverboten positive Erfahrungen. So sprechen sich zwei Drittel der Gelegenheitsraucher und 41 Prozent der regelmäßigen Raucher für rauchfreie Gaststätten aus.

Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, Martina Pötschke-Langer, monierte jedoch einen inkonsequenten Nichtraucherschutz. So seien Nichtraucherbereiche in Gaststätten mit Raucherräumen viermal stärker mit Qualm belastet als vollständig tabakfreie Lokale. In einigen Fällen könne die Konzentration durch die Luftzirkulation in den Nichtraucherbereichen sogar höher liegen als in den Raucherräumen.

Pötschke-Langer forderte ein Bundesgesetz für ein umfassendes Rauchverbot. Die Gesundheit von Nichtrauchern und Angestellten in Gaststätten dürfe nicht „wankelmütigen“ Gesetzgebern in den Ländern überlassen werden, sagte sie auch mit Blick auf den Volksentscheid über ein totales Rauchverbot in der bayerischen Gastronomie am 4. Juli.

Der Studie „Nichtraucherschutz wirkt“ zufolge wirkt das Rauchverbot auch jenseits der Gaststätten nach. Von 1.000 befragten Rauchern hätten zwischen 2007 und 2009 etwa 14 Prozent den Tabakkonsum aufgegeben. Jeder Fünfte gab das Rauchverbot als einen Grund an. Hatten 2007 noch 30 Prozent der Raucher ein rauchfreies Zuhause, waren es 2009 den Angaben zufolge 41 Prozent. In Raucher-Haushalten mit einem Kind unter fünf Jahren stieg der Anteil der totalen Rauchverbote von 54 auf 69 Prozent.

Nach Ansicht des DKFZ müssen die Raucher in Deutschland erst zu ihrem Glück gezwungen werden. So steige einer internationalen Studie zufolge die Zustimmung von Rauchern für ein vollständiges Rauchverbot in Kneipen und Bars nach dessen Umsetzung extrem an, in Frankreich beispielsweise von zwölf auf 57 Prozent. In Deutschland mit seinen vielen Ausnahmen habe sich die Zustimmungsrate hingegen nur von 13 auf 19 Prozent erhöht.

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Die Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Stefanie Heckel, widersprach dieser Darstellung. 2008 habe jeder zweite Gastwirt deutliche Umsatzrückgänge von teils über 20 Prozent verzeichnet. Die Lage habe sich erst stabilisiert, nachdem das Bundesverfassungsgericht im Juli 2008 das absolute Rauchverbot in kleinen Kneipen gekippt hatte. Diese Lösung „mit Augenmaß“ und die individuellen Umsetzungen in den Bundesländern hätten sich bewährt, sagte Heckel. © hil/ddp/aerzteblatt.de

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adonis
am Mittwoch, 23. Juni 2010, 11:32

Na, das mag man mal dem EX-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Seehofer in Bayern erklären.

Denn dort versucht man ja mit allen Mitteln das Antirauchergesetz zu umgehen.
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