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Vermischtes

Vorbildfunktion wichtig für Kindergesundheit

Donnerstag, 1. Juli 2010

Berlin – Die Gesundheit von Kindern hängt laut einer neuen Studie wesentlich vom Vorbild und der Einstellung der Eltern ab. Diese hätten „im Positiven wie im Negativen“ eine Vorbildrolle, sagte der Jugendforscher Klaus Hurrelmann am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. Entscheidend seien elterliche Routine und gemeinsame Rituale.

Laut der AOK-Familienstudie sind Kinder deutlich seltener übergewichtig oder fettleibig, wenn ihre Eltern regelmäßig mit ihnen frühstücken und essen, spielen oder basteln, sie nach festen Abläufen zu Bett bringen, geordnet etwas Zeit ausschließlich den Kindern widmen oder auch mit ihnen beten. Ein weiterer Aspekt ist zudem die Beschränkung beim Fernsehkonsum.

In Deutschland gelten 16 Prozent der Kinder als übergewichtig. Sieben Prozent leiden an Fettleibigkeit. Jedes dritte Kind in Berlin ist laut AOK in seiner Entwicklung gestört und kann zum Beispiel bei der Einschulung nicht auf einem Bein stehen.

Der Studie zufolge gaben Eltern von normalgewichtigen Kindern zu 48,2 Prozent an, auf bestimmte tägliche Gewohnheiten oder Rituale zu achten. Bei übergewichtigen Kindern lag dieser Anteil nur bei 22,8 Prozent. Rituale können demnach Kinder auch vor Stressreaktionen wie wiederkehrenden Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen und Nervosität schützen.

Für die Untersuchung befragte die Gesellschaft für angewandte Sozialforschung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes bundesweit mehr als 2.000 Mütter und Väter von 4- bis 14-jährigen Kindern. Hurrelmann sagte, nach seinem Wissen gehe erstmals überhaupt eine umfassende Studie auf die Bedeutung der Eltern für die Kindergesundheit ein.

Wolfgang Settertobulte, Mitautor der Studie, erläuterte, das Wissen über die richtige Erziehung sei in Familien „in sehr hohem Maße“ verbreitet. Grund dafür könnten Gespräche in Erziehungseinrichtungen ebenso sein wie die „Supernanny“ im Fernsehen. Zugleich herrsche aber hohe Verunsicherung darüber, wie man dieses Erziehungswissen konkret umsetzen solle. Daran scheiterten dann viele Eltern.

Negative Auswirkungen für die Kindergesundheit haben laut Settertobulte Belastungen der Eltern. So klagten 40 Prozent der Eltern über zeitliche Belastungen, je ein Drittel über finanzielle oder – vor allem Mütter – psychische Belastungen. Die Gefahr, nicht das Richtige für die Kindergesundheit zu tun, erhöhe sich mit jeder Belastung um das 2,5-Fache.

Der Sozialforscher erläuterte, es zeige sich kein deutliches Stadt-Land-Gefälle, wenn man von klassischen sozialen Brennpunkten in Städten absehe. Wichtiger sei die Einstellung der Eltern. So spiele Konservativismus von Vätern und Müttern eine größere Rolle als die konkrete Umgebung. „Familienroutine wirk zunächst einmal konservativ, altbacken. Aber das ist ein Faktor, der sich bewährt“, meinte er.

Nach Angaben von Jürgen Graalmann vom AOK-Bundesverband geben alle deutschen Krankenkassen 70 Milliarden Euro pro Jahr wegen Krankheiten aus, die durch falsche Ernährung bedingt seien. Er sprach von einer großen gesellschaftlichen Herausforderung.

Graalmann kündigte an, sein Unternehmen arbeite derzeit an einem virtuellen Familiencoach. Eltern sollten dort auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmte Angebote abrufen können.kna © kna/aerzteblatt.de

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