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Ärzteschaft

Mehrheit der Ärzte gegen Suizidbeihilfe

Freitag, 16. Juli 2010

Köln – Eine große Mehrheit der Ärzteschaft wendet sich gegen eine ärztliche Hilfe beim Suizid. Zugleich wird ein Ausbau der Kapazitäten in der palliativ­medizinischen Versorgung gefordert.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Jörg-Dietrich Hoppe, unterstützt dieses Anliegen: „Der flächendeckende Ausbau palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen und eine bessere Information der Menschen über die Möglichkeiten der Palliativmedizin würden sicher dazu beitragen, dass der Ruf nach aktiver Sterbehilfe bald verhallt“, sagte Hoppe in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (Heft 28-29/2010).

Er berief sich auf eine im Auftrag der Bundes­ärzte­kammer vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführte Befragung. Danach beklagen 73 Prozent der Ärzte, dass die Kapazitäten für die palliativmedizinische Versorgung ungenügend sind. Fast 80 Prozent sind davon überzeugt, dass ein Ausbau der Palliativmedizin die Wünsche nach Sterbehilfe verringern würde.

Der Studie zufolge ist jeder dritte Arzt schon einmal um Unterstützung beim Suizid gebeten worden. 61 Prozent der 527 befragten, im ambulanten und stationären Bereich tätigen Ärzte lehnten allerdings eine Unterstützung beim Suizid in jedem Fall ab. 37 Prozent gaben an, dazu unter bestimmten Bedingungen bereit zu sein. Eine gesetzliche Regelung des ärztlich begleiteten Suizids wurde von 62 Prozent der befragten Ärzte abgelehnt.

93 Prozent der Gegner einer Legalisierung und sogar 83 Prozent der Befürworter sahen die Gefahr, dass eine Regelung der Suizidbeihilfe dazu führen könnte, dass sich Menschen um eine solche Hilfe bemühen, weil sie sich als Belastung für die Familie oder die Gesellschaft betrachten. Gegen eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe sprachen sich sogar fast 80 Prozent aus.

Hoppe kündigte eine Fortschreibung der Grundsätze der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung an, in die die Umfrageergebnisse mit einfließen würden. Er wies auf einen „schleichenden Paradigmenwechsel in unserer Gesellschaft hin, der unter Ärzten für Verunsicherung sorgt. Sterben und Tod werden in den Konsumgesellschaften der Moderne zunehmend tabuisiert. Macht und Materialismus werden dagegen glorifiziert.

 Wir Ärzte sind es dann, die den Wunsch des Patienten oder seiner Angehörigen nach einem Tod ohne Sterben erfüllen sollen“. Es sei wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Mitwirken des Arztes bei der Selbsttötung dem ärztlichen Ethos widerspreche, betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer. Kli © Kli/aerzteblatt.de

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adonis
am Freitag, 27. August 2010, 16:53

@Stewes72

Ich habe keine Problem mit ihrer Einstellung aber ich meine auch dass Sie meine Einstellung akzeptieren sollten, dass ich für mich als Arzt aktive Sterbehilfe ablehne. Wenn Sie es machen wollen und die rechtlichen Grundlagen dafür gegeben sind: Bitte schön. Wenn Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren können. Ich kann es nicht und würde in so einem Falle meine Approbation zurückgeben.
Stewes72
am Montag, 19. Juli 2010, 14:04

Ärtzlicher Berufsethos

Wahrscheinlich haben es einige Kollegen immer noch nicht verstanden, daß der Patient mit seinen Sorgen und Nöten ernst zu nehmen ist. Stattdessen wird auf die, wenn auch gute und notwendige, palliative Versorgung abgestellt. Nicht jeder Patient möchte aber palliativ behandelt werden, sondern selbstbestimmend sein Leben beenden. In welcher Kultur leben wir eigentlich, die dem Patientenwillen nicht entspricht, Behandlungsfehler verschweigt...
Ganz zu schweigen auch von dem wirtschafltichen Interesse der palliativen Versorgungseinrichtungen...

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