NewsVermischtesSächsische Klinik will DDR-Medikamenten­tests auf den Grund gehen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Sächsische Klinik will DDR-Medikamenten­tests auf den Grund gehen

Donnerstag, 22. Juli 2010

Plauen – Nach dem Bekanntwerden angeblicher geheimer Medikamententests von West-Firmen an Patienten in der DDR will das betroffene Helios-Klinikum im sächsischen Plauen den Vorwürfen auf den Grund gehen. Helios-Sprecher Johann Peter Prinz sagte am Donnerstag, man sei erst durch die Medienberichte auf dieses Thema gestoßen und werde jetzt eigene Recherchen anstellen. „Das ist für uns ein vollkommen neues Thema“, sagte Prinz. Man wolle dieses Kapitel der Medizingeschichte aber auf jeden Fall aufklären.

Das MDR-Magazin „Exakt“ hatte unter Berufung auf Akten des DDR-Ge­sund­heits­mi­nis­teriums berichtet, dass in der DDR nicht nur, wie zunächst angenommen in Berlin, sondern auch in anderen Bezirken westliche Pharmafirmen mit nicht zugelassen Medikamenten Tests an DDR-Patienten vorgenommen hätten.

So wurde angeblich 1989 einer Frau im Klinikum Plauen das Antidepressivum Brofaromin des Herstellers Ciba Geigy verabreicht. Das Medikament hatte aber starke Nebenwirkungen, so dass die Behandlung abgesetzt werden musste. Angeblich soll es bei den Testreihen auch Todesfälle gegeben haben. Die DDR soll sich die Tests in D-Mark bezahlt haben lassen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn erklärte, das Medikament Brofaromin sei in der Bundesrepublik nie zugelassen worden. Es seien auch keine Testreihen bekannt, „und es wurde auch nie ein Zulassungsantrag gestellt“, sagte Behördensprecher Maik Pommer. Offensichtlich seien die Tests schon in einem sehr frühen Forschungsstadium wieder eingestellt worden.

Der in Chemnitz erscheinenden „Freien Presse“ (Online-Ausgabe) sagte der damalige Leiter der Nervenklinik in Plauen, Klaus-Dieter Waldmann, er könne sich zu dem konkreten Fall nicht äußern und müsse erst die Akten einsehen. Er wolle aber seinen Beitrag leisten, um die Vorgänge aufzuklären.

Das Unternehmen Novartis, zu dem Ciba Geigy und Sandoz 1996 verschmolzen waren, gab am Donnerstag zunächst keine Stellungnahme ab. Auch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ließ die Vorwürfe unkommentiert. © ddp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2020
Innsbruck – Das synthetische Cannabinoid Nabilon, das zur kurzzeitigen Behandlung der zytostatikainduzierten Übelkeit zugelassen ist, hat in einer Pilotstudie die nichtmotorischen Symptome von
Cannabinoid Nabilon lindert nichtmotorische Symptome bei Parkinson
12. Oktober 2020
Riad/Saudi-Arabien – Eine Behandlung mit dem Virostatikum Lopinavir/Ritonavir, die in 2 Studien an COVID-19-Patienten nicht überzeugen konnte, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal
Kombination aus Interferon und Lopinavir/Ritonavir senkt Sterberate bei MERS
12. Oktober 2020
London – Mit knapp einer halben Milliarde Dollar (knapp 423 Millionen Euro) unterstützt die US-Regierung die britische Pharmafirma AstraZeneca bei der Entwicklung eines Medikaments gegen die durch
AstraZeneca startet wichtige Tests für COVID-19-Medikament
7. Oktober 2020
Oxford – Das aus der HIV-Therapie bekannte Virustatikum Lopinavir (mit dem Booster Ritonavir), das auch die Protease von Coronaviren hemmt, hat sich erneut in einer randomisierten Studie als unwirksam
COVID-19: Lopinavir/Ritonavir auch in der RECOVERY-Studie ohne Wirkung
5. Oktober 2020
Tarrytown/New Jersey – 2 Wochen nach Hersteller Lilly hat eine weitere US-Firma positive Ergebnisse zu einer Behandlung von COVID-19 mit monoklonalen Antikörpern bekanntgegeben. Nach einer Mitteilung
COVID-19: Zweiter Hersteller meldet Wirkung von Antikörper-Präparaten bei ambulanten Patienten
2. Oktober 2020
Berlin – Ein neuer Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus geht in Deutschland in die klinische Erprobung und wird auf Sicherheit, Verträglichkeit und seine spezifische Immunantwort bezüglich des
Deutscher Coronaimpfstoff geht in die klinische Prüfung
23. September 2020
Boston – Eine Kombination aus Natrium-Phenylbutyrat und Taurursodiol, die den Untergang der Motoneurone aufhalten soll, hat in einer Phase-2/3-Studie den Verlust der funktionellen Fähigkeiten von
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER